Arthur Schnitzler: Blumen. Historisch-kritische Ausgabe
Arthur Schnitzler: Flowers. Historical-critical Edition
Wissenschaftsdisziplinen
Sprach- und Literaturwissenschaften (100%)
Keywords
-
Arthur Schnitzler,
Critical Edition,
Open Access
In Arthur Schnitzlers 1893/94 entstandener, in der Wiener Literaturzeitschrift Neue Revue erstveröffentlichten Erzählung Blumen berichtet ein Ich-Erzähler in tagebuchartigen Eintragungen von den monatlichen Blumensendungen seiner ehemaligen Geliebten, die auch nach deren Tod weiter eintreffen. Die morbide Atmosphäre der ersten Niederschrift nahm Schnitzler durch eine komplizierte Umschichtung und Überarbeitung des Textmaterials etwas zurück, dennoch bleibt sie trotz rationaler Erklärungsversuche bis zum Ende bestehen. Erst durch den frischen Frühlingsstrauß einer neuen Gefährtin wird die gespenstische Stimmung aufgehoben. Seit 2010 wird im Rahmen mittlerweile zweier FWF-Projekte (P 22195-G20 und P 27138-G23) unter der Leitung von Konstanze Fliedl an der historisch-kritischen Ausgabe des Frühwerks von Arthur Schnitzler gearbeitet. Die Erzählung Blumen soll nun als zehnter Band erscheinen und erstmals nicht nur in Print (und e-book) sondern auch via open access zur Verfügung gestellt werden. Der Band Blumen präsentiert alle nachgelassenen handschriftlichen Materialien als Faksimiles in Originalgröße mit entsprechenden Transkriptionen. Die überaus komplexe Entstehung des Textes Schnitzler nahm nach der letzten Niederschrift eine weitreichende Umordnung von Erzählpassagen vor wird ausführlich dargestellt. Der Band bietet den Drucktext nach der Fassung des Erstdruckes von 1894 mit einem Variantenapparat, der alle Abweichungen zu den zu Schnitzlers Lebzeiten erschienenen Ausgaben verzeichnet. Darunter finden sich auch gravierende und sinnstörende Fehler, die sich bis heute in Lesetexten nach den Ausgaben im Fischer-Verlag erhalten haben. Während es in der Handschrift und im Erstdruck noch heißt, die Blumen der verstorbenen Geliebten seien keine Grüße aus dem Jenseits wird der Sinn dieser Stelle ab der Erstausgabe von 1898 ins Gegenteil verkehrt: Es sind Grüße aus dem Jenseits. Dieser Fehler wurde nun in der Edition berichtigt. Weitere notwendige und minimale Eingriffe werden in einer Liste ausgewiesen. Daneben enthält der Band einen Kommentar, der vor allem kulturhistorische Hinweise und Erläuterungen zu österreich-spezifischen sowie veralteten, zum Teil fremdsprachlichen Ausdrücken bietet. Im Anhang des Bandes wird die Transkription der letzten Niederschrift ein zweites Mal abgedruckt: in der rekonstruierten Reihenfolge vor der Umstellung. Dies soll wie auch eine Tabelle, die die Verschiebungen von einzelnen Blättern wie auch gesamten Passagen graphisch darstellt den Umordnungsprozess nachvollziehbar machen. Damit lässt sich die Entstehungsgeschichte des Textes nun erstmals exakt nachverfolgen. Durch die open-access-Stellung würde die Zugänglichkeit und Verbreitung der Werke Schnitzlers in einer verlässlichen Edition erheblich gesteigert werden.