Wolfgang von Weisl: Autobiographische Schriften
Wolfgang von Weisl: Autobiographic Works
Wissenschaftsdisziplinen
Politikwissenschaften (50%); Sprach- und Literaturwissenschaften (50%)
Keywords
-
Israel,
Palestine,
Zionism,
Revisionism,
Autobiography,
Journalism
Der 1896 in Wien geborene Wolfgang von Weisl ist der bedeutendste und radikalste revisionistische Zionist österreichischer Herkunft. Er hat nach dem Ersten Weltkrieg als Politiker, Arzt, Offizier, Ökonom, Schriftsteller und Journalist an der Wegbereitung eines unabhängigen jüdischen Staates in Palästina erfolgreich mitgewirkt. Sein Lebenswerk, seine Autobiographie und seine zahlreichen politischen und literarischen Schriften, Zeitungsartikel, orientalischeSach- undReisebücher, medizinische und religionspsychologische Abhandlungen, lyrische, erzählende und dramatische Werke sind bisher unerforscht. Zu diesem vordringlichen Desiderat leistet der vorliegende Band mit der kommentierten (über 700 Anmerkungen) und ausführlich eingeleiteten, mit Zeittafel, Kurzbiographien der wichtigsten Akteure, Glossarium, Bibliographie, Sach- und Personenregister versehenen Edition zweier autobiographischer, noch ungedruckter Manuskripte aus Weisls Nachlass erste Beiträge. Im ersten Text (ca. 300 Druckseiten) erzählt Weisl aventürenhaften seine Wiener Jugendjahre, die Zusammenarbeit seines Vaters mit Theodor Herzl, seine Hinwendung zum revisionistischen Zionismus unter dem Einfluss Wladimir Zeev Jabotinskys, seine ersten beiden Aufenthalte in Palästina (1922, 1924) und seine abenteuerlichen arabischen Reisen im Auftrag des Berliner Ullstein-Nachrichtendienstes nach Jordanien, Yemen, Saudi-Arabien und Ägypten. Im zweiten Text (150 Druckseiten) schildert Weisl in Form eines Tagebuchs seine Internierung im britischen Konzentrationslager Latrun (1946) und seinen vierwöchigen, großes nationales und internationales Aufsehen erregenden Hungerstreik, den er demonstrativ in die Nachfolge Mahatma Gandhis stellt. Die Autobiographie besticht durch den faszinierenden Kontrast zwischen dem modernen Wiener jüdischen Besitz- und Bildungsbürgertum und dem alten, biblischen Jerusalem, der jüdischen Kolonisation Palästinas sowie der exotisch anmutenden, muslimisch-arabischen Welt des Nahen Ostens. Weisls Latrun-Tagebuch gewährt einen in dieser Form noch unbekannten, hautnahen, authentischen Einblick in das Alltagsleben der Häftlinge, in die Spannungen zwischen den linken und rechten Zionisten, die jedoch in ihrem ungebrochenen Widerstand gegen die britische Mandatsherrschaft vereint sind. Viele Mithäftlinge Weisls werden im zwei Jahre später ausgerufenen unabhängigen Staat Israel höchste Staatsämter bekleiden: als Knesset- Abgeordnete, Minister oder gar als Regierungschef. Die konfliktreiche Brisanz der israelischen Staatswerdung wird in Latrun en miniature widergespiegelt. Ihre weltpolitische Dimension, der Weisl in allen seinen Aktivitäten und Agitationen explizit durchschlagskräftige Geltung verschaffen wollte, ist heute aktueller denn je.