Regesten zur Geschichte der Juden in Österreich, Band 4
Documets on Jewish History in Austria, vol. 4
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (85%); Sprach- und Literaturwissenschaften (15%)
Keywords
-
Collection of sources,
Late middle ages,
Jewish history,
Austrian history,
Economic and social history,
Charters
Das Gebiet des heutigen Österreich besitzt eine im Vergleich zu anderen Ländern des Heiligen Römischen Reichs außerordentlich reichhaltige Überlieferung an urkundlichen Quellen zur Geschichte der Juden im Mittelalter. Um dieses Material zugänglich zu machen, wurde am Institut für jüdische Geschichte Österreich eine Publikation dieses umfangreichen Quellenmaterials in Regestenform in Angriff genommen, in deren Rahmen urkundliche, historiographische und literarische Quellen, die einen Juden- und Österreichbezug aufweisen, gesammelt und nach wissenschaftlichen Kriterien aufbereitet werden; unter diesem Material finden sich vor allem ab der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts zahlreiche unpublizierte oder bislang nicht unter dem Aspekt des Judenbezuges behandelte Texte. Im Zug der FWF-Projekte P 15638, P 18453-G08, P 21236-G18 und P 21237-G18 wurden die ersten drei Bände dieser Regesten (bis zum Jahr 1386) von Eveline Brugger und Birgit Wiedl publiziert. Im Rahmen der Nachfolgeprojekte P 24404-G18 und P 24405-G18 ("Regesten zur Geschichte der Juden in Ost- bzw. Süd- und Westösterreich 1366-1386") wurde der vierte Band fertiggestellt und für die Publikation vorbereitet. Die in Archiven und Bibliotheken des In- und Auslands gesammelten Texte werden in Form von 466 chronologisch gereihten Regesten präsentiert; der jedem Text beigefügte wissenschaftlicheApparatenthält die Angaben zu Überlieferungslage, früheren Publikationen in Druckwerken und/oder online sowie bereits vorhandene wissenschaftliche Literatur. Durch wissenschaftliche Kommentare und durch ein umfassendes Register erfahren die Quellentexte eine inhaltliche Erschließung, gemäß dem Thema wurde bei der Kommentierung vor allem (aber nicht ausschließlich) auf die in den Texten erwähnten Juden bzw. judenbezogenen Sachbetreffe eingegangen. Die in diesem Band aufgearbeiteten und präsentierten Quellen decken einen für die Geschichte der Juden in Österreich bislang kaum im Detail behandelten Zeitraum ab. Während die Juden der habsburgischen Länder in dieser Zeit noch von den Landesfürsten geschützt wurden, um weiterhin hohe Steuerleistungen von ihnen fordern zu können, stellte die 1404 im Erzstift Salzburg stattgefundene Ermordung und Vertreibung der jüdischen Bewohner die erste landesfürstlich initiierte Verfolgung auf heute österreichischem Gebiet dar. Über die obrigkeitlichen Maßnahmen hinaus erlauben die Quellentexte auch Analysen der alltäglichen Lebensumstände sowie der vielfältigen Interaktionen zwischen Juden und Christen, die sowohl Geschäftskontakte und vor Gericht ausgetragene Konflikte, aber auch nachbarliche Beziehungen umfassten.