Kunst u. Literatur im Schatten des ´Roten Oktober´ 1918-1938
Red October shadowed arts and literature in Austria 1918-1938
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (20%); Kunstwissenschaften (30%); Sprach- und Literaturwissenschaften (50%)
Keywords
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Austro-russian cultural intersections 1918-38,
Avantgarde film contacts,
Austrian travelogue focussed on Russia,
Intersections In Modern Music,
Russian revolution as literary topic,
Russian and Austrian Avantgardism discourses
Die revolutionären Umwälzungen des Jahres 1917 in Russland und die Gründung der Sowjetunion entfalteten enorme (gesellschafts-)politische Ausstrahlungen. Zudem sorgten sie für nachhaltige Impulse kulturell-künstlerischer Natur, die auch in der Ersten Republik und zwar von deren Gründung an, auf breite Resonanz stießen. Interesse am euroasischen Riesenreich der unbegrenzten Möglichkeiten (J. Sternberg) zeigten dabei nicht nur dem Roten Wien nahestehende Stimmen oder politisch dezidiert links positionierte AutorInnen aus dem Umfeld der KPÖ. Auch im bürgerlichen Kunst- und Literaturbetrieb fielen (sowjet-)russische Phänomene und Debatten auf fruchtbaren Boden. Der vorliegende Band widmet sich solchen Rezeptionsbeziehungen in den Bereichen der Kunst, der (Alltags-)Kultur und insbesondere der Literatur und arbeitet dabei spezifische Rezeptionsbedingungen in Österreich ebenso heraus wie deren Einbettung in zeittypische Diskurslagen (über Österreich hinaus). Dazu zählen die Gastspiele russischer (Emigranten-)Theatergruppen in Wien (Der Blaue Vogel, Habima, A. Tairov) oder Joseph Gregors großangelegte Studie Das russische Theater (1927) ebenso wie René Fülöp-Millers Monografie Geist und Gesicht des Bolschewismus, die bis in die Zeit des Kalten Kriegs die Wahrnehmung der frühen Sowjetunion mitgeprägt hat. Von einem intensiven Austausch im Bereich der Musik zeugen unter anderem die Zusammenarbeit des Wiener Musikverlags Universal-Edition mit russischen Partnern oder das Schaffen von Max Brand: seine Zeitoper Maschinist Hopkins wurde nämlich sowohl von der russischen Avantgarde, den damals populären amerikanischen Jazz-Tänzen als auch von der Wiener Schönberg-Moderne beeinflusst. Brands Oper verschmilzt somit das gesteigerte Interesse an den beiden Neuwelten USA und UdSSR zur Zeit der Ersten Republik: Erinnert sei hier an Robert Müllers Essay Bolschewik und Gentleman von 1920, an Arthur Rundt und dessen breit rezipierte USA- bzw. UdSSR-Reiseberichte oder Ernst Fischers Auseinandersetzung mit zeitgenössischer US-amerikanischer und sowjetrussischer Literatur. Im Zentrum des vorliegenden Bandes stehen Analysen, die auf systematischen Recherchen in Zeitungen und Zeitschriften der 1920er und 1930er Jahre basieren, und sowohl auf bis dato wenig erschlossene Texte von bekannteren (Heimito von Doderer, Joseph Roth, Lili Körber, Ernst Fischer, Ernst Weiß) und weniger bekannten AutorInnen (Ann Tizia Leitich, Alja Rachmanowa, Julius Haydu, Otto Heller z.B.) fokussieren. Anhand dieser Textzeugen lassen sich neben Gemeinsamkeiten vor allem auch Besonderheiten des Russland-Diskurses in Österreich im Vergleich zur Weimarer Republik aufzeigen im Widerspruch zu mancher Verengung des intellektuellen Profils der österreichischen Zwischenkriegszeit in literatur- und kunstgeschichtlichen Darstellungen.
- Universität Klagenfurt - 100%