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Österreichisches Deutsch macht Schule

Austrian German taught at schools?

Rudolf De Cillia (ORCID: 0000-0002-2336-4523)
  • Grant-DOI 10.55776/PUB579
  • Förderprogramm Buchpublikation
  • Status beendet
  • Bewilligungssumme 10.000 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Erziehungswissenschaften (50%); Sprach- und Literaturwissenschaften (50%)

Keywords

    Austrian German, Pluricentric Languages, Language Of Education And Instruction, Language Attitudes, Language Teaching

Abstract

In der Fachliteratur ist immer wieder die Rede von sprachlichen Minderwertigkeitsgefühlen österreichischer SprecherInnen gegenüber SprecherInnen aus Deutschland. Diese werden in Zusammenhang mit Unklarheit bzw. Unwissen unter österreichischen PädagogInnen bezüglich der plurizentrischen Variation (österreichisches, deutschländisches, Schweizer Standarddeutsch sind gleichwertige Varietäten) des Deutschen gebracht, die vermutlich im schulischen Unterricht und in der Lehrerausbildung kaum thematisiert wird. Daher wurde im Rahmen eines Forschungsprojekts, dessen Ergebnisse das vorliegende Buch dokumentiert, untersucht, ob und inwiefern Lernende und Lehrende im Laufe ihrer Schul- und Ausbildungszeit mit der Thematik der Variation in der deutschen Sprache in Berührung kommen. Zum einen wurden Lehrpläne für das Fach Deutsch der Grundstufe, der Sekundarstufe I und II, die Studienpläne für das Lehramtsstudium (für Deutsch) an Pädagogischen Hochschulen und Universitäten, sowie die meistverwendeten Deutsch- Lehrbuchserien in Hinblick auf den Umgang mit sprachlicher Variation analysiert. Zum anderen wurden österreichweit rund 160 DeutschlehrerInnen aller Schultypen und Schulstufen sowie ca. 1300 SchülerInnen der AHS- Oberstufe mit Fragebögen zu ihren Spracheinstellungen und zur Rolle des österreichischen Deutsch im (Unterrichts-) Alltag befragt. Weiters wurden sowohl 21 Interviews mit DeutschlehrerInnen, als auch Gruppendiskussionen mit LehrerInnen und SchülerInnen sowie teilnehmende Unterrichtsbeobachtungen durchgeführt. Die Lehrplananalyse ergab, dass der Umgang mit Normbegriffen unsystematisch ist, keine Hinweise auf einen Kodex existieren und plurizentrische Variation nicht explizit thematisiert wird. Dies trifft bis auf wenige Ausnahmen auch auf die analysierten Studienpläne zu. In den untersuchten Lehrwerken wird das österreichische Deutsch bis auf eine Ausnahme nicht explizit thematisiert. Es bleibt dem Ermessen und der Kompetenz der Lehrkraft überlassen, die Lernenden für plurizentrische Variation zu sensibilisieren. Die Ergebnisse der Befragungen zeigen, dass die überwiegende Mehrheit der LehrerInnen Deutsch als eine Sprache mit Unterschieden in der Standardsprache zwischen den Ländern sieht, wobei die Mehrheit der LehrerInnen und SchülerInnen das österreichische Deutsch v.a. mit Dialekt oder Umgangssprache verbindet. Das Konzept der Plurizentrik ist kaum bekannt. Unsicherheit gibt es hinsichtlich der Korrektheit des österreichischen im Vergleich zum bundesdeutschen Standarddeutsch, obwohl sich eine klare Mehrheit der Meinung anschließt, dass es ein eigenes österreichisches Standarddeutsch gibt. Angaben zur Verwendung von Austriazismen bzw. Deutschlandismen (z.B. das/die Cola) weisen darauf hin, dass Laien/SchülerInnen häufiger bundesdeutsche Ausdrücke bevorzugen als LehrerInnen, von denen wiederum die jüngere Generation eine ähnliche Tendenz aufweist. Im Ausblick des Buches werden Vorschläge dafür gemacht, wie man einen systematischen, expliziten Umgang mit innersprachlicher Variation an Schulen umsetzen könnte. Dazu bedürfte es einer Überarbeitung der Schulbücher und Unterrichtsmaterialien und der stärkeren Berücksichtigung der Frage sprachlicher Variation in Lehrplänen sowie in der LehrerInnen-Ausbildung.

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