Ödön von Horváth: Himmelwärts/Mit dem Kopf durch die Wand
Ödön von Horváth: Heavenwards/With the Ead through the Wall
Wissenschaftsdisziplinen
Kunstwissenschaften (10%); Sprach- und Literaturwissenschaften (90%)
Keywords
-
Ödon von Horváth,
Complete Works,
Genetic Textual Criticism,
Austrian Literature 1918-1938,
Critical Edition
Ödön von Horvth: Himmelwärts / Mit dem Kopf durch die Wand. Hg. v. Nicole Streitler- Kastberger unter Mitarbeit von Sabine Edith Braun und Martin Vejvar. (= Wiener Ausgabe sämtlicher Werke. Hg. v. Klaus Kastberger, Band 7) Mit dem vorliegenden Band Himmelwärts / Mit dem Kopf durch die Wand werden der For- schung zwei weniger bekannte Stücke Horvths aus den Jahren 1934/35 vorgelegt, also aus einer Zeit, als Horvth um eine Haltung zum Deutschen Reich und um eine Neupositionie- rung als Autor rang. Die Entstehung des dramatischen Märchens Himmelwärts reicht bis in das Jahr 1931 zu- rück, als Horvth parallel zu ersten Arbeiten an Kasimir und Karoline an einer Zauberposse mit dem Titel Himmelwärts zu arbeiten begann. Diese Vorarbeiten zu dem Werkprojekt wer- den wohl erst nach Fertigstellung von Glaube Liebe Hoffnung (1933) von Horvth in ein gänzlich anders geartetes Stück mit demselben Titel transformiert. Dieses spielt parallel Auf der Erde, Im Himmel und In der Hölle. Dabei wird die Handlung von einer Art Faust-Pakt der Protagonistin, der Opernsängerin Luise, angetrieben. Diese verkauft ihre Seele für den künstlerischen Erfolg dem Teufel. Förmlich in letzter Sekunde steigt sie aus dem Vertrag aus und lässt ihre künstlerischen Ambitionen zugunsten eines kleinen Glücks mit dem ehemali- gen Hilfsregisseur Lauterbach, der jetzt Kellner ist, fahren. Die Endfassung des Stückes, die in Form eines Stammbuchs des gleichgeschalteten Neuen Bühnenverlags überliefert ist, wird in dem Band ergänzt durch Entwürfe und Textstufen, die Horvth im Zuge der Uraufführung des Stückes an der Freien Bühne in der Komödie in Wien 1937 verfasst hat. Der zweite Teilband ist der Komödie Mit dem Kopf durch die Wand von 1935 gewidmet. Mit dieser Komödie hat sich Horvth in (selbst-)ironischer Weise mit dem deutschen Filmbetrieb der 1930er-Jahre beschäftigt, in den er zwischen 1934 und 35 selbst als Drehbuchautor no- lens volens involviert war. Die Edition dieses Stückes zeigt, wie der Autor sich im Zuge der Textgenese allmählich von seiner dunklen Komödie Eine Unbekannte aus der Seine von 1933 emanzipiert, aber auch von Hertha Paulis Erzählung Linconnue de la Seine von 1931, durch die der Autor erst auf die Idee eines Stückes über die Unbekannte kam. Bemerkens- werterweise ist dieser ganze Komplex von geistigem Eigentum und (Mit-)Autorschaft in das Stück selbst eingegangen, das von seiner ganzen Machart her ein hochkomplexes ironi- sches intertextuelles Spiel ist. Der Band lässt die komplexe Entstehungsgeschichte des Stü- ckes über eine Vorarbeit und drei Konzeptionen nachvollziehen, denen mehrere Titelmodifi- kationen von Die Unbekannte der Seine über Linconnue de la Seine und Das unbekannte Leben bis zu Mit dem Kopf durch die Wand entsprechen. Drei der vier Fassungen werden sowohl im Wortlaut der Originaltyposkripte, als auch in orthographisch standardisierter Form in dem Band wiedergegeben. So wird der Forschung und der interessierten Öffentlichkeit endlich die ganze Komplexität der Entstehungsgeschichte des Stückes transparent gemacht.
- Universität Graz - 100%