Regesten Kaiser Friedrichs III. (1440-1493), Heft 34
Regesta of Emperor Frederick III. (1440-1493) vol. 34
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (100%)
Keywords
-
Emperor Frederick III.,
Holy Roman Empire,
Charters,
Habsburgs,
Diplomatics,
Austria
Der vorliegende Band verzeichnet Urkunden Kaiser Friedrichs III. (1440-1493), die im Haus-, Hof- und Staatsarchiv in Wien überliefert sind und in den Regierungsjahren 14761479 ausgestellt wurden. Die Urkunden werden nicht im Volltext, sondern als Regesten geboten. Ein Regest enthält eine ausführliche Inhaltsangabe, weiterführenden Informationen (z.B. zu den genannten Personen), Angaben zur Urkunde (Beschreibstoff, Besiegelung etc.) und zur Verwahrung (Archiv, Signatur) sowie Literatur und mitunter eine inhaltliche Kommentierung. Da es sich bei dem Wiener Archiv um das Ausstellerarchiv des Kaisers handelt, richten sich die Urkunden an eine Vielzahl von Adressaten und beinhalten Angelegenheiten des Reichs ebenso wie der habsburgischen Erbländer. Ein weiteres Charakteristikum der Wiener Überlieferung ist der große Anteil an erschlossenen Kaiserurkunden, die anhand von in der kaiserlichen Kanzlei eingegangenen Schriftstücken der Untertanen rekonstruiert werden können. Im bearbeiteten Zeitraum, den ausgehenden 1470er-Jahren, wurden entscheidende Weichen für das letzte Regierungsjahrzehnt des Kaisers gestellt. Insbesondere 1477 war ein Jahr, dessen Ereignisse die Folgezeit wesentlich bestimmen sollten. Im Westen begann nach dem Tod des burgundischen Herzogs, Karls des Kühnen, und der Heirat seiner Tochter Maria mit Maximilian, dem Sohn Kaiser Friedrichs III., der Erbfolgekrieg um die burgundischen Länder. Im Osten führten die jahrelangen Spannungen durch den Einfall des ungarischen Königs Matthias Corvinus in Niederösterreich zum offenen Krieg. Erst in den 1490er-Jahren sollten diese im Westen und Osten des Reichs zeitgleich verlaufenden kriegerischen Auseinandersetzungen beendet werden. Die Ungarn betreffenden Urkunden bieten Einblick in die lange Zeit schwelenden Konflikte, in die Interessen der involvierten Parteien, darunter auch gegen den Kaiser opponierende österreichische Adlige und in das Ringen um einen Friedensvertrag mit Matthias Corvinus im Dezember 1477. Die Belehnung Erzherzog Maximilians mit Burgund im April 1478 bildet den zweiten großen internationale Politik betreffenden - Urkundenkomplex im bearbeiteten Material. Er bietet ein großartiges Beispiel spätmittelalterlicher Politik und Strategie mittels dem Medium Urkunde, indem politische Ansprüche urkundlich einfach als Fakten formuliert und festgeschrieben werden, um sie im Falle eines Sieges Maximilians vielleicht durchsetzen zu können. Eine große Zahl der Urkunden betreffen das Verwaltungs- und Finanzwesen der habsburgischen Erbländer. Sie dokumentieren die finanziellen und personellen Ressourcen sowie die tragenden sozialen Netzwerke der kaiserlichen Politik und Herrschaftssicherung. Greifbar werden auch die Intensivierung des Verwaltungsschriftguts und der steigende Urkundenausstoß der kaiserlichen Kanzlei. Die bisherige Schätzung von ca. 50.000 Urkunden Friedrichs III. wird wohl nach oben zu korrigieren sein, denn die überlieferten Urkunden sind die Spitze eines Eisberges, dessen Größe kaum abschätzbar ist.