Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (20%); Sprach- und Literaturwissenschaften (80%)
Keywords
Austrian Literature after 1945,
Austrian Literary Life after 1945,
Austrian Literary Institutions,
Cold War,
Exile,
Austrian Cultural Policy
Abstract
Die Studie befasst sich mit Wolfgang Kraus (19241998), einem zentralen Akteur des
österreichischen Literaturbetriebs nach 1945. Der gut vernetzte Literaturkritiker und Essayist
(u. a. Der fünfte Stand, 1966), Gründer und langjährige Leiter der Österreichischen
Gesellschaft für Literatur (19611994), Jurymitglied von zahlreichen Literaturpreisen (z. B.
Anton-Wildgans-Preis), Programmleiter des Europa-Verlags (19701975) und Leiter einer
Kulturkontaktstelle im Österreichischen Außenministerium (19751981), verfügte durch
seine mannigfaltigen Positionen im literarischen Feld über wesentliche Kapitalsorten, um die
von ihm favorisierten österreichischen Autorinnen und Autoren sowie eine Literatur zu
fördern, die dem imaginären Kulturraum Mitteleuropa verpflichtet war. Anhand bisher
unbekannter archivalischer Quellen, u. a. dem Nachlass von Kraus, erfolgt eine, dem
theoretischen Instrumentarium des literarischen Feldes Pierre Bourdieus verpflichtete,
materialorientierte Beschreibung von Kraus Tätigkeiten, die sich sowohl seinen (Be-
)Wertungenprozessen von Literatur im literaturkritischen als auch kulturpolitischen Kontext
widmet, wobei mit der Fokussierung auf Kraus neben Aspekten einer intellectual history
auch Elemente einer Institutionsgeschichte sowie zeitgeschichtliche Phänomene wie der
kulturelle Kalte Krieg zu Tage treten.