Spieltexte der Comœdianten
German Plays by Professional Actors [17th century]
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (20%); Kunstwissenschaften (40%); Sprach- und Literaturwissenschaften (40%)
Keywords
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17th century theatre,
Mobile Cultures,
17th century drama,
Theatrical Translation,
Emergence Of German Professional Theatre
Im Band mit dem Titel Spieltexte der Comoedianten werden erstmals in alter Schrift handgeschriebene Stücke, die vor rund 300 Jahren von Berufsschauspielern auf Bühnen des deutschen Sprachraums aufgeführt wurden, einem Lesepublikum zugänglich gemacht. Alle Spieltexte stammen aus einer Sammlung, die in der Wienbibliothek im Rathaus aufbewahrt wird. Sie geben Auskunft darüber, welche Geschichten auf dem Theater erzählt wurden, worüber ein Publikum vor 300 Jahren gelacht hat; teilweise aber auch darüber, wie gespielt und welche szenischen Effekte eingesetzt wurden. Weil das Theater der Aufklärung im 18. Jahrhundert der Vernunft und der Volkserziehung dienen sollte, wurden diese Stücke um 1750 für altmodisch oder gar skandalös gehalten und verdrängt. Die nun veröffentlichten Spieltexte sind sehr fantasie- und effektvoll und zeichnen alles überhöht: die ideale romantische Liebe, bösartige Intrigen, unversöhnliche Streitigkeiten und grausame Morde. Es gibt in diesen Bühnenhandlungen sowohl Könige und Königinnen, Prinzessinnen und Herzöge, Hofräte und Soldaten, aber auch auch Handwerker, Schäfer und Narren wie Pickelhering oder Hans Wurst, wobei der scharfe Kontrast zwischen Haltungen und Sichtweisen der oberen und unteren Klassen zu den beliebten szenischen Effekten gehört. Zu diesen Kontrasten gehört aber auch, dass diese Stücke von Herrschern erzählen, die sich als Bettler verkleiden müssen, oder von Narren, die Herrscher spielen. Insgesamt unterscheiden sich diese Dramen also erheblich von dem, was heute auf Theaterbühnen gezeigt wird, und sind eher mit Fantasy Filmen zu vergleichen. Trotz dieser gemeinsamen Merkmale, ist aber auch zu betonen, dass es sich um sehr unterschiedliche Spieltexte handelt, was daran liegt, dass es sich mehrheitlich um Übersetzungen und Adaptionen von Dramen aus unterschiedlichen Kulturkreisen handelt, nämlich aus England, den Niederlanden, Frankreich und Italien. Eine Einleitung erklärt, warum heute fast niemand mehr etwas über die Anfänge des deutschen Berufstheaters und damit das Repertoire dieser Comoedianten weiß, und warum dieser Band genau dies ändern will. Zudem wird vor jedem der abgedruckten Stücke zuerst darüber informiert, worum es geht und was über die Entstehung der Texte und ihre Aufführung bekannt ist. Weil viele der Wörter und Sätze des Sprechtextes nicht mehr gebräuchlich sind, werden in einem Kommentarteil deren Bedeutungen erläutert sowie mögliche Interpretationen ausgewählter Szenen diskutiert, damit heutige Leserinnen und Leser die Theatersprache von damals verstehen können. Der Band lädt also insgesamt zu einer Reise in eine heute verschwundene Theaterwelt ein, die jedoch noch heute durch die Lektüre dieser erstmals publizierten Spieltexte zu faszinieren vermag.
- Universität Wien - 100%