Anrede im Portugiesischen und Spanischen
Address in Portuguese and Spanish
Wissenschaftsdisziplinen
Sprach- und Literaturwissenschaften (100%)
Keywords
-
Forms of address,
Spanish,
Portuguese,
Diachrony,
America,
Europe
Der von Martin Hummel und Célia dos Santos Lopes herausgegebene Themenband Address in Portuguese and Spanish. Studies in diachrony and diachronic reconstruction eröffnet erstmals einen systematischen diachronischen und kontrastiven Blick auf die Geschichte der sprachlichen Anredeformen im Portugiesischen und Spanischen. Zu diesem Zweck führt der Band Beiträge der maßgeblichen ForscherInnen zusammen. Insofern bildet er auch den Stand der Forschung ab und wird dadurch zum maßgeblichen Referenzwerk für die historische Anredeforschung im iberoromanischen Sprachraum. Da nahezu alle bisherigen Arbeiten in diesem Bereich nicht in englischer Sprache verfasst wurden, erlaubt der Band zudem der gesamten internationalen Forschungsgemeinschaft den Zugang zu dieser Thematik und damit zum kritischen Dialog. Was den kontrastiven Blick auf Portugiesisch und Spanisch betrifft, so sind beide Sprachen historisch eng verknüpft, und zwar insbesondere bei den Formen der Anrede, weil entscheidende Weichenstellungen im gemeinsamen politischen und geographischen Kontext erfolgt sind (z.B. als Philipp II von Spanien in Personalunion Philipp I von Portugal war, oder die Kolonisierung Amerikas).Daher verspricht der hier neu eröffnete Dialog zwischen der Forschung zum Portugiesischen und derjenigen zum Spanischen wertvolle neue Erkenntnisse. Um nur ein Beispiel zu nennen, empirische Daten zeigen, dass die erstaunliche späte Verbreitung der historisch verknüpften Formen Pt. você und Sp. usted (dt. Sie) in ganz Iberoamerika in beiden Fällen mit der Rolle der politischen und militärischen Verwaltung der Kolonialreiche erklärt werden kann. In methodologischer Hinsicht ist der Band innovativ, insofern er die traditionelle diachrone Betrachtungsweise mit diachroner Rekonstruktion auf der Grundlage synchronischer Variation verknüpft. Vor diesem Hintergrund verknüpft das Buch theoretische Überlegungen mit detaillierten empirischen Fallstudien. Teil I enthält drei Beiträge, die einen direkten Vergleich von Anredeformen und - praktiken im Portugiesischen und Spanischen aus verschiedenen Blickwinkeln vornehmen: Theorie und Methodologie, kontrastive Dialektologie als Grundlage diachroner Rekonstruktion, und diachronische Rekonstruktion mit Hilfe von Corpora bestehend aus privaten Briefwechseln. Teil II besteht aus drei Studien, die im Rahmen des PHPB (Projekt zur Geschichte des brasilianischen Portugiesisch) durchgeführt wurden. Dabei wurden private Briefwechsel zwischen Beginn und Ende des 20. Jahrhunderts ausgewertet. Eine weitere Studie wertet erstmals die reichhaltige Dialektdatensammlung aus, die Manuel de Paiva Boléo zwischen 1930 und 1965 in Portugal durchgeführt hat. Diese Daten werden auch zur diachronen Rekonstruktion genutzt. Teil III beschäftigt sich mit neuen Themen zur Anrede im Spanischen: Der Verlust, die Marginalisierung oder der örtlich begrenzte Erhalt der zweiten Person Plural vosotros (dt. ihr) und des Possessivs vuestro (dt. euer) in Amerika. Anrede im Spannungsfeld von tatsächlichem Gebrauch und Norm in Argentinien. Die Mikrodiachronie von zwei Debatten im mexikanischen Präsidentschaftswahlkampf. Die europäischen Wurzeln des angeblichen Amerikanismus su merced (dt. Euer Gnaden). Die Ausdehnung des tuteo (Duzen) in Spanien zwischen 1875 und 1939.
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