Prozessionsstraße – Säulenstraße – Handwerksquartier
Processional Street - Colonnaded Street - Craftsman quarter
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (100%)
Keywords
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Ephesos,
Keramik,
Embolos,
Kontextuelle Fundauswertung,
Kuretenstraße,
Diachrone Stadtentwicklung
Die kontextuelle Auswertung der Befunde und Funde aus Grabungen am unteren Embolos (Kuretenstraße) von Ephesos erbrachte neue Erkenntnisse zu rund tausend Jahren (3. Jahrhundert v. Chr. 7. Jahrhundert n. Chr.) seiner Nutzung. Diese betreffen die Gestaltung und die Trasse der Straße, die Baugeschichte ihrer Randbebauung und ihre wechselvolle Funktion. Der Embolos liegt im Sattel zwischen den beiden Stadtbergen von Ephesos, dem Panayirdag im Norden und dem Bülbüldag im Süden. Die moderne Bezeichnung Kuretenstraße leitet sich aus sekundär in der unteren Nordhalle verbauten Säulenstümpfen aus dem Prytaneion ab, die mit Listen des Kultvereins der Kureten beschrieben sind. Die antike Bezeichnung für die Kuretenstraße lautete vermutlich Embolos- wörtl. Keil, Sporn, was einerseits aus schriftlichen Quellen, andererseits aus Inschriften im Gebiet der Kuretenstraße und der Tetragonos-Agora hervorgeht. Es zeigte sich, dass der untere Embolos ab dem 3. Jh. v. Chr. aus einer Schottertrasse bestand, die bis in die 1. Hälfte des 1. Jhs. v. Chr. von Bordsteinmauern begrenzt war. Speziell die Datierung der Einzelmonumente an der Südseite des unteren Embolos war bisher umstritten und auch die Bauphasen dieses neuralgischen Straßenzugs nicht vollständig geklärt. Dem konnte durch die vorliegende Publikation Abhilfe geschaffen werden. Besonders hervorzuheben ist etwa die nunmehr chronologisch sichere Einordnung des Heroons in das zweite Viertel bis zur Mitte des 1. Jahrhunderts v. Chr. und jene des Oktogons in die augusteische Zeit. Wenig neue Erkenntnisse konnten zur Entwicklung des Embolos in der Kaiserzeit und zu seiner erstmaligen Pflasterung mit Marmorplatten in domitianischer Zeit erlangt werden, ebenso wenig ließen sich Befunde und Fundkomplexe gesichert mit etwaigen Zerstörungen beispielsweise durch die Erdbeben des 3. und 4. Jahrhunderts in Zusammenhang bringen. Wesentliche Aufschlüsse ergaben sich hingegen für die Gestaltung des Embolos in der spätantik- frühbyzantinischen Zeit. Ab der Mitte des 5. bis in die Mitte des 6. Jhs. lässt sich ein regelrechter Bauboom konstatieren, der sich in das allgemeine Phänomen der demonstrativen Zurschaustellung einer erneuten Prosperität und Pracht der Stadt Ephesos in dieser Zeit einfügt. Besonders hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang die Umwandlung von bestehenden, teilweise zerstörten Bauten am unteren Embolos in monumentale Brunnenanlagen sowie die Errichtung der sog. Kuretenhalle am Anfang des 6. Jahrhunderts n. Chr. Die in der Spätantike Großteils adaptierten älteren Monumente am unteren Embolos werden, entsprechenden Fundkomplexen nach zu schließen, bis in die Mitte des 7. Jhs. n. Chr. aufrecht erhalten. Die letzte Nutzung der an den Embolos grenzenden Bereiche besteht im Betrieb von Tavernen und Handwerksbetrieben.