Ad ripam fluminis Danuvi
Ad ripam fluminis Danuvi - Papers of the third Intern...[...]
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (100%)
Keywords
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Roman History,
Roman Epigraphy,
Roman Provincial Archaeology,
Late Antique History,
South-East Europe,
Danube and Balkan area
protulique fines Illyrici ad ripam fluminis Danuvi: Mit diesen Worten, einem Zitat aus dem Tatenbericht des Kaisers Augustus, wird zum ersten Mal die Ausdehnung des römischen Herrschaftsanspruchs von den Küsten der Adria und des Schwarzen Meeres an das westliche bzw. südliche Ufer der Donau zum Ausdruck gebracht. Von diesem Zeitpunkt an war Südosteuropa ein fester Bestandteil des Römischen Reiches. Der Donau- und Balkanraum, der in früheren Phasen römischer Geschichte lediglich von Westen bzw. Osten aus betrachtet als Hinterhof Italiens bzw. der Welt der griechischen Stadtstaaten fungiert hatte, entwickelte sich im Laufe des 1. und 2. Jh. n. Chr. zum Rückgrat des Imperium Romanum. Die Region leistete dank ihrer militärischen und personellen Ressourcen einen entscheidenden Beitrag zum Überleben des Reiches während der großen Krise des 3. Jh. Eines der wesentlichen Ergebnisse des damaligen Transformationsprozesses war die Umwandlung der peripheren Zone entlang der Donau zu einem Kernland des Reiches und zur Kaiserwiege. Aus der Gesellschaftsgruppe der Militärfamilien des Donau- und Balkanraumes formierte sich im Laufe des 3. Jh. eine neue Reichselite, welche die Ideologie des Reiches und seine Herrschaftsinstrumente nicht nur übernahm, sondern erneuerte und adpatierte. Zwei der prominentesten Vertreter dieser Gesellschaftsgruppe sind die Kaiser Diokletian und Konstantin d. Gr. Unter dieser Perspektive kann der Donau- und Balkanraum als Schlüsselregion für ein tieferes Verständnis der wesentlichen Prozesse gelten, welche die Geschichte des Römischen Reiches geprägt haben, nämlich erstens die Implementierung römischer Herrschaft in eroberten Gebieten, zweitens die Interaktion und letztlich Umkehrung des Verhältnisses zwischen dem Zentrum des Reiches (Italien) und seiner peripheren Zonen, drittens die Bereitschaft und Fähigkeit des Reiches, seine Strukturen an neue Herausforderungen anzupassen. Die Präsenz Roms auf dem Balkan und entlang der Donau, die Etablierung seines Herrschaftsapparates, die Entwicklung neuer sozio-ökonomischer Strukturen ebenso wie die Stimulierung kultureller Wandlungsprozesse, die sich zwischen dem 1. und 3. Jh. n. Chr. beobachten lassen, waren Gegenstand einer Tagung, die von Fritz Mitthof im Herbst 2015 an der Universität Wien veranstaltet wurde. Der Band enthält 29 Beiträge aus dem Bereich der römischen Provinzialgeschichte, Epigraphik und Archäologie. Sein Fokus liegt auf der historischen Auswertung inschriftlicher Zeugnisse. Die Analyse der materiellen Quellen ist ein weiterer Schwerpunkt. Eng verbundene Aspekte wie Sprachen, ethno- kulturelle Identität, Religion und Münzprägung werden ebenfalls behandelt.