Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der Moderne
Richard Schaukal in Networks and Fields of Modernism
Wissenschaftsdisziplinen
Sprach- und Literaturwissenschaften (100%)
Keywords
-
Richard Schaukal,
Network Theory,
Viennese Modernism,
Theory of Biography,
Literary Studies,
Sociology of Literature
Das Buch behandelt den österreichischen Dichter, Kritiker und Ministerialbeamten Richard Schaukal (1874-1942), der mit einer Vielzahl kanonisierter Autoren der Jahrhundertwende verkehrte. Dabei steht die Frage im Zentrum, weshalb Schaukal nicht in den Kanon der literarischen Moderne eingegangen ist, wo doch seine zahlreichen Verbindungen zu Dichtern, Literaturkritikern, Verlegern, Herausgebern und Redakteuren also die Einbindung in ein großes literarisches Netzwerk grundsätzlich von Vorteil für eine erfolgreiche Dichterkarriere gewesen wäre. Zunächst nimmt die Studie die Möglichkeiten und Hindernisse für Dichter in den Blick, die um 1900 schreibend ihren Lebensunterhalt bestreiten wollten. Die Analyse bezieht sich dabei auf Arbeiten des Soziologen Pierre Bourdieu, der sich mit den veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für Künstler zur Zeit der Moderne befasste und Begriffe wie Feld, Kapital und Habitus produktiv machte, um ihre Erfolgsmöglichkeiten zu untersuchen. Diesem theoretischen Instrumentarium werden Aspekte der Netzwerkanalyse zur Seite gestellt, um Schaukals Kontakte zu literarischen Akteuren und die strukturelle Beschaffenheit seiner Netzwerkverbindungen zu bestimmen. Ein besonderes Augenmerk liegt auf den vielen Briefkorrespondenzen, die er mit ganz unterschiedlichen Personen führte. Von den über 900 Briefpartnern sind mehr als ein Drittel dem literarischen Feld zuzuordnen. Schaukals Briefe und (auto- )biographische Schriften zeichnen das Bild eines Künstlers, der bis zum Ende des Ersten Weltkriegs bürgerlich lebte, sich aber der Aristokratie zugehörig fühlte und ab 1918 zunehmend aus der literarischen Öffentlichkeit verschwand. Resümierend lässt sich festhalten, dass Schaukal viele, zumeist aber keine intensiven Kontakte zu den relevanten Akteuren des literarischen Felds knüpfen konnte, und dass er sich durch angriffslustige Briefe und einen solitären, distinguierten Habitus selbst ins literarisch-gesellschaftliche Abseits manövrierte.