Komponieren im Kontext der Globalisierung
Musical Composition in the Context of Globalization
Wissenschaftsdisziplinen
Kunstwissenschaften (100%)
Keywords
-
Musical Globalization,
Global Music Historiography,
Contemporary Art Music,
Music In East Asia - China,
Japan,
Korea,
Interculturality,
Hybridity,
Identity In Music,
Musical Narrativity
Das zuerst 2014 in deutscher Sprache erschienene Buch Musical Composition in the Context of Globalization diskutiert Auswirkungen kultureller Globalisierung auf Prozesse der Komposition und Verbreitung von Kunstmusik im 20. und 21. Jahrhundert. Seit dem Beginn der Aufnahme und Veränderung europäischer Musikpraxis und -theorie in kulturellen Zentren Asiens, Lateinamerikas und Afrikas um 1900 muss Musikgeschichte im Grunde global gedacht werden eine Herausforderung, die von der Musikwissenschaft aber bis heute kaum aufgegriffen worden ist. Das Buch stellt unter Bezug auf neuere Modelle wie Transnationalismus, Verflechtungsgeschichte und reflexive Globalisierung methodische Grundlagen einer solchen globalen Musikgeschichtsschreibung vor. Dazu werden konkrete Fallstudien eines interkulturell akzentuierten Komponierens in Europa, Amerika und Asien ausführlich behandelt. Beziehungen zwischen Ostasien (China, Taiwan, Japan, Korea) und dem Westen stehen dabei im Zentrum und werden wiederholt durch andere geographische Kontexte (u. a. Afrika, Philippinen, Indonesien) erweitert. Ein zentrales Spannungsfeld, in dem sich Komponist*innen im globalen Kontext bewegen, besteht zwischen der Standardisierung kompositorischer Praxis nach westlichen Maßstäben und der Suche nach neue Impulsen für künstlerische und ästhetische Selbstbestimmung in nicht-westlichen Ländern, mitunter in Gestalt eines (Neo-)Nationalismus. Das macht es notwendig, kompositorische Techniken und Entscheidungen in breitere Kontexte einzubetten, die politische, soziale und kulturelle Entwicklungen in den einzelnen Ländern und ihre transnationale Vernetzung berücksichtigen. Die sechs Kapitel des Buches entwickeln theoretische Grundlagen dafür und bieten konkrete musikhistorische Fallstudien, wobei eine Fülle von Einzelanalysen interkulturellen Komponierens integriert wird; behandelt werden dabei u. a. Werke und Wirken von Luciano Berio, Henry Cowell, Chaya Czernowin, Maurice Delage, Wolfgang Fraenkel, Ge Ganru, Helmut Lachenmann, György Ligeti, José Maceda, Toshiro Mayuzumi, Shukichi Mitsukuri, Isabel Mundry, Yuji Takahashi, Toru Takemitsu, Tan Dun, Isang Yun, Hans Zender und Zhu Jianer. Die Beziehung von Musik und breiteren gesellschaftlichen Prozessen wird in den Mittelpunkt gerückt und als eine wesentliche musikhistorische Dynamik erkannt. Besonderes Gewicht wird dabei auf die Frühzeit interkultureller musikalischer Begegnung (Exil, Spät-Kolonialismus, Internationalisierung seit 1900, universalistische Modelle) sowie auf die Entwicklung der vergangenen drei bis vier Jahrzehnte gelegt. Narratologische Deutungen, die musikalische Strukturen mit politischen, ästhetischen und literarischen Ideen in Beziehung setzen, verknüpfen die unterschiedlichen Forschungsebenen. Eine konsequent transnational konzipierte Darstellung der neueren Musikgeschichte sieht sich mit komplexen methodischen Problemen konfrontiert, die in diesem Buch erstmals zusammenhängend und offensiv thematisiert werden. Die Übersetzung bietet eine revidierte und umfangreich erweiterte Fassung des 2014 veröffentlichten Textes, der an vielen Stellen den in den letzten fünf Jahren gewachsenen Forschungsstand berücksichtigt. Das Buch erscheint in gedruckter Form und zugleich digital im Open Access beim Verlag transcript, was eine optimale Verbreitung und Verfügbarkeit garantiert.