Wege zum illuminierten Buch
Ways to the Illuminated book
Wissenschaftsdisziplinen
Kunstwissenschaften (100%)
Keywords
-
Art history,
Illuminated manuscripts,
Middle ages,
Incunables,
Renaissance,
Methodology
Im Juni 2011 hat im Kunsthistorischen Institut der Universität Wien ein internationales Kolloquium mit dem Titel "Herstellungsbedingungen für Buchmalerei in Mittelalter und früher Neuzeit" stattgefunden, das von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der im Pächt-Archiv angesiedelten Forschungsprojekte zur Buchmalerei organisiert worden ist. Zehn der 14 Vorträge, abgerundet durch zwei zusätzlich eingeworbene Beiträge, haben in überarbeiteter Form Aufnahme in den vorliegenden Band gefunden, der sich damit als eine Aufsatzsammlung präsentiert, die neben der Veröffentlichung neuer Erkenntnisse zu einzelnen Werken und Künstlern einen Forschungsansatz propagiert, der als besonders fruchtbringend und zukunftsweisend betrachtet werden darf. Die Bedingungen, unter denen Bücher hergestellt worden sind, gehören zu den zentralen Themen der buchgeschichtlichen Forschung, und sie spielen auch in kunsthistorischen Untersuchungen zur Buchmalerei immer wieder eine Rolle. Die umfassendste Publikation hierzu hat Jonathan Alexander vorgelegt (Medieval illuminators and their methods of work. New Haven und London 1992). Während Alexander jedoch vor allem die technische Seite des Herstellungsprozesses und die Möglichkeiten und Beschränkungen untersucht hat, die sich daraus für die Illuminatoren ergeben, war es Ziel der Wiener Tagung, vor allem kulturelle und gesellschaftliche Faktoren zu berücksichtigen, das Umfeld der Buchmaler, ihre Arbeitsbedingungen im weitesten Sinne. Es wurden verschiedene methodische Zugänge erprobt und an konkreten Beispielen der Erkenntnisgewinn demonstriert, den Forschungen zu den Entstehungsumständen für ein besseres Verständnis der Buchmalereien liefern können. Zu den Faktoren, die entscheidende Auswirkungen auf Gestalt und Inhalt der Buchausstattung hatten und in mehreren der Beiträge behandelt werden, gehören die Strukturen der Auftraggeberschaft und die Arbeits- und Lebensbedingungen der Buchmaler, zu denen eine reiche Überlieferung an Schriftquellen aus dem 13. bis 15. Jahrhundert detailliert Auskunft bieten kann. Die aus diesen Quellen ebenso wie aus manchen Werken zu rekonstruierende überregionale Ausrichtung von Buchherstellung und -rezeption führte dazu, dass sich Buchmaler auf ein weitgespanntes Geflecht von Interessen und Ansprüchen einstellen mussten. Das konnte sich ebenso auf ihren Stil und die Ikonographie figürlicher Darstellungen auswirken wie die Zusammenarbeit in Ateliers oder in nur zeitweilig zusammengestellten Werkgemeinschaften. Weitere in vorliegendem Band behandelte Punkte sind die Auswirkungen des Buchdruckes auf die Arbeitsbedingungen der Buchmaler und, zum Abschluss, die sich im Verlauf der Zeit ergebenden Interessensverschiebungen, Verständnisprobleme und Umdeutungen, die zu Veränderungen beim Kopieren der Texte und ihrer Ausstattung oder bei der jahrzehntelangen Arbeit an einem einzelnen Werk führen.