W. v. Weisls Drama und Roman im Zeichen des Zionismus
W. v. Weisl´s Drama and Novel in the Sign of Zionism
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (35%); Sprach- und Literaturwissenschaften (65%)
Keywords
-
Zionism,
History,
Drama,
Palestine/Israel,
Novel,
Antiquity
Der vorliegende Band enthält eine Edition zweier literarischer Werke, die der Wiener Arzt, Politiker, Artillerieoffizier, Journalist und Orientexperte Wolfgang von Weisl (18961898) verfasst hat. Das Schauspiel Erlöser war bisher nur in einem bibliophilen, 1919 vom Wiener Verlag Girschner herausgegebenen Privatdruck einiger weniger (ca. 50) Exemplare erschienen, während der Roman Der Anfang der Wandlung Israels nur in zwei entlegenen zionistischen Wochenschriften in Fortsetzungen vorabgedruckt worden war: zuerst 1934, ins Hebräische übersetzt, in HaYarden (Der Jordan, Jerusalem), dann 1938/39 in deutscher Originalsprache in Medina Iwrit (Judenstaat, Wien/Prag), dort allerdings nur fragmentarisch, da die Zeitschrift nach dem Einmarsch der Hitlertruppen im März 1939 ihr Erscheinen unverzüglich einstellen musste. Die nunmehr vorliegende Edition präsentiert somit die erste vollständige deutsche Urfassung des Romans. Beide Werke sind teils historisch, teils fiktional angelegt und tragen autobiographische Züge des Autors. Sie thematisieren den jahrtausendealten Freiheitskampf der Juden. Das Drama stellt den sogenannten Zweiten Jüdischen Krieg (132135 n. Chr.) unter Führung Simon Bar Kochbas gegen die heidnischen Römer und die mit ihnen kollaborierenden Judenchristen dar, während der Roman den Kampf der jüdischen Siedler der dritten Alija (dt. Aufstieg, 19191923) gegen die arabischen Eingeborenen Palästinas, aber auch im Widerstand gegen die britische Mandatsmacht, um ein freies Altneuland im Geiste der rückwärtsgewandten Utopie von Theodor Herzls gleichnamigem Roman (1902) schildert. Die beiden Zentralfiguren, Bar Kochba und Joseph Trumpeldor, ein ehemals zaristischer Offizier, gelten bis heute als glorifizierte Nationalhelden und messianische Märtyrer in der Geschichte der Judenheit. Während Bar Kochba permanent als Kommandant der jüdischen Rebellen auf der Bühne agiert, besteht die Besonderheit des Romans in der physischen Abwesenheit Trumpeldors, der mit sieben Gefährten schon am Vorabend des Romanbeginns, dem 1. März 1920, bei der Verteidigung Tel-Chais in Obergalilä gegen die Übermacht der arabischen Angreifer gefallen war. Der tote Trumpeldor lebt jedoch als Freiheitskämpfer im Bewusstsein der jüdischen Kolonisten weiter und feiert gleichsam seine Wiederauferstehung in der Gestalt des ebenfalls aus Russland eingewanderten jungen Reiteroffiziers Eldad Schual, der zugleich als Alter Ego des Autors Wolfgang von Weisl, eines ehemaligen Artilleriekommandanten der K.-u.-k. Armee, in Erscheinung tritt Beide Werke dienen politisch der Vorbereitung der israelischen Staatsgründung, die sowohl im Schauspiel wie auch im Roman durch permanente Berufungen auf die Bibel zudem eine quasireligiöse Legitimation erfahren soll.