Die Operisti als kulturelles Netzwerk
Italian Operisti as cultural network
Wissenschaftsdisziplinen
Kunstwissenschaften (80%); Soziologie (20%)
Keywords
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Travelling Opera Troupes,
Artistic & Diplomatic Networks,
18th. century italian opera in central europe,
Opera As Institution,
Correspondence Franz & Marianne Pirker,
Opera Singers' Lifes And Careers
Der Briefwechsel von Franz (1701-1786) und Marianne Pirker (17171782) stellt einen für die Erforschung des italienischen Opernbetriebs um die Mitte des 18. Jahrhunderts einmaligen Quellenkomplex dar. Die 250 Briefe aus den Jahren 1743 bis 1756, die zwischen dem Ehepaar untereinander sowie mit Freunden und Kollegen ausgetauscht wurden, zeichnen aus persönlicher Perspektive die alltäglichen Erfahrungen und Karrieren der Opernkünstler nach. Über musikalische und künstlerische Fragen (etwa zum Repertoire) hinaus weist der Briefwechsel auf die bedeutende Rolle hin, die künstlerische Netzwerke in den Karrieren derjenigen spielten, die im 18. Jahrhundert beruflich im Operngeschäft tätig waren. Es war mit dem der Diplomaten und regierenden Fürsten eng verknüpft und ermöglichte europaweite Kommunikation und Handlungsfähigkeit in beruflichen Belangen. Dazu gehörten auch Vertragsverhandlungen für Engagements, die in dem Briefwechsel großen Raum einnehmen. Berufliche Wege erklären sich nicht selten durch für die Netzwerke besondere Gegebenheiten: So bot z. B. London, wo sich die Pirkers von 1746 bis 1748 bzw. 1749 aufhielten, mehr Kontaktmöglichkeiten zu diplomatischen Kreisen als andere Residenzen. Die Briefe zeigen ferner die wirtschaftlichen Unwägbarkeiten des Opernbusiness der Zeit und die daraus resultierenden schwierigen Lebensverhältnisse der Sänger und Musiker. Finanzielle Risiken des Impresario wurden durch in Raten erfolgende Auszahlung der Gage auf die Sänger und Musiker übertragen, weil diese deshalb ihren Lebensunterhalt zunächst über Schulden finanzieren mussten. Aufschlussreich sind auch Ausführungen zu den Kriterien, die bei Vertragsverhandlungen von besonderer Bedeutung waren. Dies gilt insbesondere für die künstlerischen Leistungen und das in der Höhe der Gage und dem Rang auf der Bühne zu messende Renommee als symbolisches Kapital für weitere Engagements. Die Briefe sind darüber hinaus ein beredtes Zeugnis für die Gedankenwelt der Operisti jener Zeit. Die kommentierte wissenschaftlich-kritische Edition der Briefe macht diese zum ersten Mal spezialisierten Wissenschaftlern und einem breiteren Kreis operninteressierter Leser zugänglich.