Neue Senfl Ausgabe 2: Motetten zu vier Stimmen (N–V)
New Senfl Edition (NSE) 2: Motets for four voices (N–V)
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (10%); Kunstwissenschaften (90%)
Keywords
-
Ludwig Senfl,
Vocal Polyphony,
Critical Edition,
Renaissance,
Source Studies,
Reformation
Mit Blick auf die Musik Mitteleuropas gilt Ludwig Senfl (ca. 14901543) als Schlüsselfigur in der Zeit zwischen Heinrich Isaac (1450/51517) und Orlando di Lasso (1532?1594). In seinen beiden Positionen am Hof Kaiser Maximilian I., wo er seine Karriere als Sänger und Komponist begann, und (seit 1523) in München, wo er als Hofkomponist für Herzog Wilhelm IV. von Bayern wirkte hatte er wesentlichen Anteil an den musikalischen Entwicklungen seiner Zeit. Obwohl die herausragende Qualität seines umfangreichen uvres seit der Etablierung des Faches Musikwissenschaft anerkannt ist, ist der Großteil noch immer nicht in einer Edition zugänglich und konnte daher bislang weder von Wissenschaftlern noch von Musikern eingehend studiert werden. Die New Senfl Edition (NSE) möchte diese Forschungslücke schließen und publiziert Senfls Werk in einer wissenschaftlichen Edition, die einen umfassenden Überblick über das Schaffen des Komponisten auf Basis der neuesten Forschung bietet. Im Vergleich zu früheren, unvollständigen Editionen, bietet die NSE zahlreiche Vorteile: Das zu edierende Repertoire ist systematisch nach Stimmenzahl und Alphabet geordnet und die Übertragungen wie auch der Kritische Apparat sind einheitlich erarbeitet und folgen modernsten editorischen Ansprüchen. Für ein möglichst vollständiges Werkbild werden sowohl fragmentarisch überlieferte Werke als auch Kompositionen ediert, deren Autorschaft bis auf Weiteres fraglich bleiben muss. Eindeutig irrtümlich zugeschriebene Werke werden nicht ediert. Der zweite Band der NSE gibt die zweite Hälfte der vierstimmigen Motetten heraus und bietet Editionen für viele bislang unbekannte Kompositionen. Der Band präsentiert aber auch Senfls berühmte Psalmmotette Nisi Dominus komponiert für die wohlhabende Familie der Fugger in Augsburg in ihrer ursprünglichen Gestalt für vier Stimmen, das legendäre Non moriar sed vivam, das der Komponist 1530 an Martin Luther zu dessen Tröstung geschickt hat, drei unterschiedlich konzipierte Vertonungen des Salve Regina (einschließlich einer christologischen Adaption), wie auch die Motetten Quid vitam sine te, Sum tuus in vita (i) und Tristia fata boni, die Senfls Verbindungen zu humanistischen Netzwerken zeigen. Die mit den Musikeditionen einhergehenden Kritischen Berichte bieten umfassende Informationen zu jeder Motette mit Blick auf die vertonten Texte, Choralvorlagen, einer Quellenbewertung (einschließlich einer synoptischen Darstellung der Lesarten), wie auch Informationen zu werkgeschichtlichem Kontext. Die Edition bietet daher einen philologisch verlässlichen Notentext, zusammen mit ausführlicher Forschung zu jeder einzelnen Komposition. Um Senfls Werk von einer zu eng gedachten, nationalistischen Musikgeschichtsschreibung zu befreien, wird die NSE in Englisch publiziert. Das Erscheinen in Druck und online (open access) in der renommierten Reihe der Denkmäler der Tonkunst in Österreich wird Senfls Musik international zugänglich machen und endlich eine umfassende wissenschaftliche und praktische Erforschung des klangvollen Werkes dieses Komponisten ermöglichen.