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Schreiben vom Rand. Else Feldmann

Writing from the edge. Else Feldmann

Elisabeth Debazi (ORCID: 0000-0002-1754-6996)
  • Grant-DOI 10.55776/PUB715
  • Förderprogramm Buchpublikation
  • Status beendet
  • Bewilligungssumme 10.000 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Geschichte, Archäologie (10%); Medien- und Kommunikationswissenschaften (10%); Soziologie (10%); Sprach- und Literaturwissenschaften (70%)

Keywords

    Jewish woman writer, Ghettoliterature, Interwar period in Vienna, New Objectivity, New Objectivity, Expressionism

Abstract

Unerforschlich tief und in tausend Geheimnisse verstrickt sind die Wege menschlicher Not, schreibt Else Feldmann in einem ihrer ersten Feuilletons, von denen sie im Laufe der zwanziger und frühen dreißiger Jahre noch zahlreiche für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften verfassen sollte. Elisabeth Debazi setzt sich in ihrer Arbeit mit Leben und Werk der lange Zeit in Vergessenheit geratenen jüdischen Journalistin und Autorin der Zwischenkriegszeit auseinander, die die vielfachen Ausformungen menschlichen Elends aus eigenem Erleben selbst nur zu gut kannte. 1884 geboren war Else Feldmann noch als Kind mit ihren Eltern und Geschwistern aus Ungarn in die damals noch Residenzhauptstadt-Wien zugezogen und dort im Ghetto, der Leopoldstadt, aufgewachsen. Ihr Vater, ein Kaufmann, war immer wieder arbeitslos. Die Mutter trug durch Heimarbeit zum Unterhalt der durch die Sorge um Elses kranke ältere Schwester zusätzlich schwer belasteten Familie bei. Ein Lehrerbildungsseminar, das Else für kurze Zeit besuchte, musste sie abbrechen, weil das Geld für ihre Berufsausbildung nicht mehr ausreichte und stattdessen alles noch Verfügbare in die Ausbildung des jüngeren Bruders investiert wurde. Trotzdem gelang es ihr, sich in einer vor dem 1. Weltkrieg noch weitgehend männerdominierten Berufssparte durchzusetzen und als Journalistin sowie später auch als Schriftstellerin zu behaupten. In ihrem Werk beschreibt Else Feldmann die Lebensrealität von Menschen an den Randzonen der Gesellschaft: von Prostituierten, straffällig gewordenen Jugendlichen, Arbeitslosen, Dienstbot*innen, jungen Müttern und Frauen aus dem Proletariat, die zumeist unter ausbeuterischen Bedingungen arbeiten, während ihre Kinder in den Hinterhöfen der engen luft- und lichtlosen Mietskasernen weitgehend unbeaufsichtigt aufwachsen oder als Säuglinge mit Branntwein betäubt zu Hause zurückgelassen werden, damit ihre Mütter in den Fabriken arbeiten können. Als Chronistin ihrer Zeit, die sich dem unerbittlichen Aufzeigen von gesellschaftlichen Missständen und Ungerechtigkeiten verschrieben hat, findet Else Feldmann ab den 20er- Jahren, in denen sie einen Großteil ihrer Reportagen für die Arbeiter Zeitung verfasst, in der Arbeiterbewegung ideologische Heimat, die sie aber nicht vor dem aufkommenden Faschismus bewahren kann. Mit dem Verbot der Zeitung 1934 verliert sie ihre Hauptpublikationspattform, gerät beruflich und privat immer stärker in Bedrängnis und wird als Jüdin 1942 nach Sobibor deportiert und dort ermordet. Else Feldmann gehört zu einer der Autor*innen, die unser Bild von der Epoche der Zwischenkriegszeit, für die das Schlagwort vom Tanz auf dem Vulkan mittlerweile sprichwörtlich geworden ist, um die Facette eindrücklicher Schilderungen des Lebens von gesellschaftlichen Randgruppen bereichert, die Elisabeth Debazi erstmals vollumfänglich versammelt und literaturwissenschaftlich bearbeitet.

Forschungsstätte(n)
  • Privat Kärnten - 100%

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