Die Este und das Heilige Römische Reich im langen 16. Jh.
The Este-dynasty and the Holy Roman Empire in 16th century
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (30%); Geschichte, Archäologie (70%)
Keywords
-
Este,
16th century,
Italy,
Cultural Exchange,
Holy Roman Empire,
Conflicts
Die an der Universität Innsbruck angenommene Habilitationsschrift untersucht die bisher wenig erforschten, zum Teil konfliktreichen Beziehungen zwischen den Herzögen von Ferrara, Modena und Reggio aus der oberitalienischen Fürstenfamilie der Este und dem Reich, d.h. den Kaisern und ausgewählten Reichsfürsten des 16. Jahrhunderts in einem politischen, sozial- und kulturgeschichtlichen Kontext. Als eines der ältesten italienischen Adelsgeschlechter regierten die Este von 1240 bis 1597 das päpstliche Lehen Ferrara und von 1288 bis 1796 die kaiserlichen Lehen Modena und Reggio. Als Diener zweier Herren verfolgten sie krampfhaft eine Gleichgewichtspolitik zwischen Papst, Kaiser und anderen Mächten der Frühen Neuzeit wie Frankreich und Spanien. Der ständige Kontakt, die ergiebige Korrespondenz und der reiche kulturelle Austausch mit dem Reich weisen auf ihr kapillares Netzwerk an diplomatischer Vertretung, Verwandtschaft, Freundschaft und Patronage hin und sind auch ein Gradmesser für die Bedeutung und Wahrnehmung von Kaiser, Reich und Reichsinstitutionen in Italien. Um im konfliktreichen Italien des 16. Jahrhunderts bestehen zu können und ihre Interessen (Investitur, Präzedenz, Titeln) voranzutreiben, nutzten die Este, wie auch andere italienische Fürsten, ihren kulturellen Einfluss, ihr Netzwerk und ihre Kontakte zu katholischen wie protestantischen Reichsfürsten. Nicht nur die Lehnsbindung zum Kaiser, sondern auch Heiratsprojekte, Gabentausch, Empfehlungen, Patronage, persönliche und diplomatische Präsenz waren Strategien dieser Fürsten eines mittelgroßen Gebietes in Reichsitalien, um sich gegen verschiedene Mächte zu schützen und Fürsprecher in den einzelnen Konflikten zu gewinnen. Die Dynastie der Este wurde bisher vor allem unter dem Aspekt der Familiengeschichte und ihres Mäzenatentums beleuchtet. Eine Geschichte der Beziehungen zum Reich ist bisher ausgeblieben; selbst in den Werken zu Reichsitalien sind die Este aufgrund ihres Doppellehens, das sie gleichzeitig auch zu Vasallen des Papstes machte, nicht oder nur am Rande repräsentiert. Somit stellt das Werk einen wichtigen Mosaikstein in der Erforschung Reichsitaliens und der kulturellen Beziehungen der Este zum und mit dem Heiligen Römischen Reich in der Frühen Neuzeit dar.