Sakralmöbel aus Österreich. Band II
Sacral furniture in Austria. Vol. II
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (10%); Kunstwissenschaften (80%); Philosophie, Ethik, Religion (10%)
Keywords
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Applied arts,
History of Art,
Furniture,
Church furnishings,
Baroque
Das Buch schließt direkt an den 2017 publizierten ersten Band zu österreichischen Kirchenmöbeln an. Während für den ersten Band Sakralmöbel aus dem Osten Österreichs bearbeitet wurden, werden im zweiten Band Inventarstücke aus den anderen Regionen des Landes vorgestellt. Bei den Möbeln handelt es sich vor allem um Chorgestühle, Beichtstühle, Kirchenbänke sowie um Sakristei- und Schatzkammerschränke. Die beiden Bände verfolgen ein gemeinsames Ziel: Sie dienen der Schaffung eines möglichst breiten Grundstocks an Möbeln mit gesicherter Herstellungszeit und Provenienz. Mithilfe dieser Referenzstücke wird es erstmals möglich sein, auch profane österreichische Barockmöbel genau zu datieren und bestimmten Kunsträumen zuzuordnen zumindest falls nachgewiesen werden kann, dass sich kirchliche und weltliche Interieurs in stilistischer Hinsicht parallel zueinander entwickelten. Dieser Zwischenschritt wird momentan mit einer weiteren Forschungsarbeit unternommen. Der Vorteil einer Untersuchung barocker Möbel auf der Basis sakraler Interieurs liegt auf der Hand: Anders als profane Möbel, die nicht selten ihren Standort wechselten, wurden die Möbelgarnituren in Kirchen und Klöstern normalerweise in der Nähe ihres heutigen Standorts erzeugt. Und falls sie in der Vergangenheit doch zu einem anderen Sakralbau transferiert wurden, ist das in der Regel durch schriftliche Nachrichten oder die mündliche Überlieferung dokumentiert. Hinzu kommt, dass erhaltene Schriftquellen häufig Auskunft über die beteiligten Handwerker sowie über die Herstellungsdaten erteilen, die sich im Übrigen auch aus der Bauchronologie der jeweiligen Architekturanlage erschließen lassen. Die beiden Bände beschränken sich jedoch keineswegs auf eine detaillierte Beschreibung der Artefakte, sondern gehen auch anderen Themenstellungen nach. So stand im ersten Band die Geschichte der Kirchenmöbel im Fokus, während der zweite Planungsabläufe und handwerkliche Prozesse analysiert, nach den Urhebern von Entwürfen und Modellen fahndet sowie die Arbeitsteilung zwischen Tischlern und anderen Berufsgruppen erforscht. Ferner beschäftigt sich ein umfassendes Kapitel mit der Frage, ob sich gewisse Beziehungen zwischen den Möbeln, der sie umgebenden Architektur und der sonstigen Kirchenausstattung nachweisen lassen. Wurde versucht, die Möbel in einen vorgegebenen architektonischen Rahmen zu integrieren? Und lässt sich eine Wechselwirkung zwischen der Qualität der Möbel, ihrer öffentlichen Sichtbarkeit, dem kirchlichen Ritus und der Selbstinszenierung des Klerus beobachten? All das sind Fragen, die bislang in Bezug auf österreichisches Kirchenmobiliar kaum je erörtert wurden. Die beiden Bände bieten die Möglichkeit, barocke Sakralmöbel aus Österreich in einen nationalen und internationalen Kontext zu stellen. Sie tragen wesentlich dazu bei, unsere bisher nur schemenhaften Vorstellungen von Tischlern, ihren Werkstätten und Arbeiten im Zeitalter des Ancien Régime zu präzisieren.