Arthur Schnitzler: Der grüne Kakadu. Hist.-krit. Ausgabe.
Arthur Schnitzler: The Green Cockatoo. Hist.-Crit. Edition.
Wissenschaftsdisziplinen
Sprach- und Literaturwissenschaften (100%)
Keywords
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Arthur Schnitzler,
The Green Cockatoo,
Historical-Critical Edition,
One-Act Play,
Fin-De-Siècle Literature,
Open Access
In dem 1898 entstandenen Einakter Der grüne Kakadu entwirft Arthur Schnitzler ein existenzielles Verwirrspiel um Schein und Sein kurz vor der Französischen Revolution: Im titelgebenden Beisl lauschen Adelige den Prahlereien vermeintlicher Verbrecher, die eigentlich arme Schauspieler sind. Dann gerät ein Auftritt so realistisch, dass am Ende ein Herzog wirklich ermordet daliegt eine Tat, die sogleich für die Revolution reklamiert wird. Denn mittlerweile ist die Bastille gefallen. Das blutige Ende, die spielerische Überschreitung gesellschaftlicher Grenzen, die Thematisierung sexueller Freizügigkeit und nicht zuletzt der Name des ermordeten Herzogs, bedeuteten Hindernisse auf dem Weg zur Uraufführung. Erst nach einigen Änderungen und der Umbenennung des Herzogs wurde sie von der Zensur genehmigt und fand am 1. März 1899 im Wiener Burgtheater statt. Der grüne Kakadu wird nun als zwölfter Band der von Konstanze Fliedl herausgegebenen historisch-kritischen Ausgabe von Arthur Schnitzlers Frühwerk bei De Gruyter publiziert. Der FWF fördert diese Edition seit 2010 mittlerweile zum dritten Mal (P 22195, P 27138, P 30513). Wie schon die Bände Blumen und Reigen wird auch Der grüne Kakadu sowohl gedruckt als auch digital open access erscheinen. Die open access-Stellung ist Voraussetzung für eine digitale Edition des Bandes und sichert auch die Verbreitung von Schnitzlers Werken in einer verlässlichen Ausgabe. Während der Zensurvorgang in Grundzügen bereits dargestellt wurde, fehlte bis dato eine detaillierte Aufbereitung der Entstehungsgeschichte. Die vorliegende Ausgabe bietet eine Einführung in die komplexe Genese des Einakters und ediert das gesamte nachgelassene Entstehungsmaterial, wobei Handschriften in einer diplomatischen Umschrift wiedergegeben und in Originalgröße abgebildet werden. Neben einer ersten Niederschrift des Stückes handelt es sich dabei um Notizen, Skizzen, Szenarien, Figurenlisten sowie Exzerpte aus Hippolyte Taines Studie Die Entstehung des modernen Frankreich, aus der Schnitzler die Kenntnis der von den Figuren berichteten vorrevolutionären Ereignisse bezog. Ediert wird auch das bei der Zensur eingereichte Typoskript. Der Band rekonstruiert zudem die Druckgeschichte von Der grüne Kakadu und bietet einen edierten Text nach dem Erstdruck mit Variantenapparat zu den Ausgaben zu Schnitzlers Lebzeiten. Darüber hinaus liefert der Band Erläuterungen zu kulturhistorischen, intertextuellen und topo- und biographischen Details sowie zu Austriazismen, veralteten und fremdsprachlichen Ausdrücken sowie Informationen zu den im Nachlassmaterial genannten SchauspielerInnen des Burgtheaters. Im Anhang des Bandes werden unter anderem Briefe und Berichte Schnitzlers, der Zensurbehörde sowie der Burgtheaterdirektion, die ein tieferes Verständnis des Zensurprozesses und der ihm zugrundeliegenden Motivationslagen ermöglichen, erstmals veröffentlicht.
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