Die mittelalterlichen Handschriften im Kloster Neustift
The medieval manuscripts in the monastery of Neustift
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (50%); Kunstwissenschaften (10%); Medien- und Kommunikationswissenschaften (20%); Sprach- und Literaturwissenschaften (20%)
Keywords
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Catalogue of Manuscripts,
Medieval Studies,
Middle Latin,
Book and Library History,
Codicology,
Neustift Monastery
1142 errichtete der Brixner Bischof Hartmann mit Unterstützung des Ministerialen Reginbert von Säben am Kreuzungspunkt zweier wichtiger Verkehrswege, nur wenige Kilometer von seinem Bischofssitz entfernt, ein neues Kloster: das Augustiner Chorherrenstift Neustift. Es ist anzunehmen, dass von Beginn an Bücher für den praktischen Klosteralltag vorhanden waren: zur Feier der Liturgie, zum gemeinsamen und persönlichen Gebet, zur Tischlesung und für die schon bald eingerichtete Klosterschule. Die erste klösterliche Büchersammlung speiste sich wohl aus dem Besitz des Bischofs selbst, der als ehemaliger Propst des Augustiner Chorherrenstiftes Klosterneuburg in Niederösterreich für seine Büchererwerbungen auch die Beziehungen zu seinem Heimatkloster nutzte. In den folgenden Jahrhunderten erlebten die Bestände durch eine rege Eigenproduktion, Ankäufe und Geschenke handschriftlicher, später auch gedruckter Werke einen steten Zuwachs. Besonders im 15. Jahrhundert erlebte das Kloster Neustift eine kulturelle Blütezeit, von der bis heute nicht zuletzt die reich mit Buchmalerei ausgestatteten Handschriften aus dem stiftseigenen Skriptorium Zeugnis ablegen. Eine Schreibstube hat wohl seit jeher im Stift bestanden, aber erst in jener Zeit sollte sich ihr guter Ruf weit über die Grenzen hinaus verbreiten. So verwundert es auch nicht, dass der Augsburger Dominikaner Felix Faber 1483 in seinen Reiseaufzeichnungen festhielt: Neustift besitzt eine große Kirche mit kostbarem Ornat und eine gute Bücherei. In der Tat stellt die Neustifter Bibliothek seit dem späten Mittelalter die größte und bedeutendste Klosterbibliothek im Tiroler Raum dar, und dies, obwohl sie im Zuge der Bauernkriege im 16. Jahrhundert, aufgrund mehrerer Brände und durch die vorübergehende Klosteraufhebung zu Beginn des 19. Jahrhunderts große Verluste erfahren hat. Angesichts dieser Bedeutung der Büchersammlung mag es erstaunen, dass der reiche Schatz an mittelalterlichen Handschriften bis dato noch keine systematische wissenschaftliche Erschließung erfahren hat. In der Publikation werden daher die Ergebnisse des mehrjährigen von der Autonomen Provinz Bozen finanzierten Kooperationsprojektes zwischen der Philosophisch-Theologischen Hochschule Brixen und der Universitäts- und Landesbibliothek Tirol in Innsbruck zu den 92 heute in der Bibliothek des Klosters Neustift verwahrten Handschriften präsentiert. In einem interdisziplinären Expertenteam wurden die Handschriften nach den Richtlinien der Österreichischen Akademie der Wissenschaften umfassend untersucht. Der sämtliche kodikologische Aspekte berücksichtigende Katalog wird ergänzt durch eine umfangreiche Einleitung, Register und Anhänge. Zumal etwa 50 Handschriften seit 1809 an der Universitäts- und Landesbibliothek Tirol in Innsbruck aufbewahrt werden, versteht sich die Publikation als wichtiger Beitrag zur virtuellen Zusammenführung des einstigen Neustifter Bestandes sowie als wichtige Grundlagenarbeit für weiterführende Forschungen.
- Universität Innsbruck - 100%