Von PISA nach Wien - Kompetenzorientierung in der Praxis
From PISA to Vienna - Competence Orientation in the practice
Wissenschaftsdisziplinen
Erziehungswissenschaften (100%)
Keywords
-
Beliefs,
Education,
Teachers,
Competnecies,
History,
Knowledge
Im Jahr 2008 wurde in Österreich für den Geschichtsunterricht die fachspezifische Kompetenzorientierung im Lehrplan verordnet. Dies stellte einen echten Paradigmenwechsel dar. Wie die Kompetenzorientierung in der Praxis des Geschichtsunterrichts tatsächlich angekommen ist, wurde allerdings noch nicht empirisch untersucht, obwohl diese Frage sowohl für die Aus- und Fortbildung der Lehrpersonen als auch für die Bildungspolitik relevant ist. Es ist wenig bekannt darüber, welches Verständnis Geschichtslehrpersonen hinsichtlich historischen Kompetenzen aufweisen, wie die in diesem Zusammenhang vorhandenen geschichtsdidaktischen Diskurse deren Denken und Unterrichtshandeln prägen bzw. welche Vorstellungen oder Vorbehalte diesbezüglich in der Praxis vorhanden sind. In der vorliegenden Studie, die einen Teil einer Habilitationsschrift darstellt, wird diese Frage bearbeitet und innerhalb des theoretischen Rahmens von berufsbezogenen Überzeugungen von Lehrpersonen diskutiert. Die zentrale Forschungsfrage der Studie lautet: Welche Rolle spielen Kompetenzen historischen Denkens fast ein Jahrzehnt nach Einführung des fachspezifisch kompetenzorientierten Lehrplans im Unterrichtsfach Geschichte und Sozialkunde/Politische Bildung in berufsbezogenen Überzeugungen von Geschichtslehrpersonen? Um die Forschungsfrage zu beantworten, wurden 50 qualitative Experteninterviews mit Geschichtslehrpersonen durchgeführt. Dafür wurden 26 verschiedene Schulen (Gymnasien, n=25 Lehrpersonen; Neue Mittelschulen, ehemals Hauptschulen, n=25 Lehrpe rsonen) in sehr unterschiedlichen sozialen Kontexten besucht und interviewt (2.014 Minuten Interviewzeit, durchschnittliche Interviewdauer 40 Min., vollständig transkribiert). Die Interviewdaten wurden mit qualitativ und quantitativ inhaltsanalytischen Ver fahren codiert und ausgewertet. In der Studie werden berufsbezogene Überzeugungen von Geschichtslehrpersonen in Österreich hinsichtlich Kompetenzorientierung das erste Mal in einer umfassenden Weise qualitativ empirisch erforscht. Die Studie ist demnach die erste umfassende Evaluierung, inwiefern die Diskurse um Kompetenzen historischen Denkens stark präsent in theoretischen Zusammenhängen auch in der Praxis bzw. in den Überzeugungen von Lehrpersonen in österreichischen Schulen angekommen sind. Durch den offenen und qualitativen Zugang in der Datenerhebung können mehrere Zusammenhänge aufgezeigt werden, die ein neues Licht auf die Kompetenzdebatte zu werfen imstande sind. Im Fazit des Buches werden mehrere Vorschläge für die Aus- und Fortbildung von Lehrpersonen und für die Bildungspolitik gemacht. Das Forschungsprojekt wurde von Roland Bernhard konzipiert und an den Universitäten Salzburg und Oxford durchgeführt. Es wurde vom österreichischen Wissenschaftsfond (FWF) und vom Habilitationsforum Fachdidaktik und Unterrichtsforschung der Universität Graz finanziert. Weitere beteiligte Wissenschaftler/innen sind Christoph Kühberger (Universität Salzburg) und Katharine Burn (Universität Oxford).