Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (30%); Kunstwissenschaften (45%); Medien- und Kommunikationswissenschaften (25%)
Keywords
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Art history,
Cultural history,
Collection history,
History of Humanities,
Media history,
Josephinism
Mit Schöne Wissenschaften im Titel des Sammelbandes wird ein zentraler philosophischer Begriff der Aufklärung aufgegriffen, in dem sich verschiedene Vorstellungen von Schönheit und Wissenschaft verbinden, die in kunst- und naturwissenschaftlichen Sammlungen im späten 18. Jahrhundert eine Rolle spielten und den Blick auf die aufschlussreichen und interessanten Wissens- und Erkenntnisstrukturen jener Zeit richten. Schöne Wissenschaften widmet sich den kunst- und naturwissenschaftlichen Sammlungen zur Zeit Kaiser Josephs II. (reg. 17651790). Das kaiserliche Münzkabinett, das Physikalische Kabinett und das Naturalienkabinett, die Sammlung medizinischer Wachspräparate im Josephinum und die kaiserliche Gemäldesammlung im Oberen Belvedere bilden dabei den Ausgangspunkt weitreichender Fragen zur Sammlungsgeschichte und zum Öffentlichkeits- und Wissenschaftsverständnis in Wien zur Zeit der Aufklärung. Die Entwicklung von Vorstellungen und Konzepten für die Ordnung und Präsentation dieser Sammlungen stand in engem Bezug zu disziplinär ganz unterschiedlich gelagerten Projekten jener Zeit, die sich über das Sammlungswesen hinausgehend programmatisch mit dem Verwissenschaftlichen, dem Systematisieren und dem Ordnen auseinandersetzten und wesentliche theoretische und praktische Impulse für die Sammlungen lieferten. Schöne Wissenschaften beschäftigt sich auch mit diesen Initiativen, deren inhaltliche Skala von der Suche nach dem Ursprung der Ölmalerei und des Kupferstichs sowie der Entwicklung der Kunstgeschichte als historische Disziplin, über Fragen zur habsburgischen Repräsentation in der Kunst, bis hin zu Normierungsbestrebungen in Architekturentwürfen und der Katalogisierung von Büchern reicht. Die Ideen der Aufklärung wurden maßgeblich von Zeitschriften, Gelehrtennetzwerken und Akademien verbreitet. In Analogie dazu, wird aus der Perspektive des Sammelns, des Ordnens und des Präsentierens der Frage nachgegangen, inwieweit auch die josephinischen Sammlungen diese Ideen bündeln, in die Praxis übersetzen, vermitteln und popularisieren, und sie so exemplarisch für den bis heute nachwirkenden Paradigmenwechsel jener Zeit zu Wissens- und Erkenntnisorten werden. Die Sammlungs- und Ordnungsprojekte und ihre öffentliche Präsentation über ein einzelnes Fallbeispiel hinaus aufeinander zu beziehen und zu zeigen, dass mit der interdisziplinären Zusammenschau ein tieferes Verständnis der kunst- und naturwissenschaftlichen Sammlungen und der grundlegend neuen Qualität des Blicks auf die Welt in der Aufklärung gewonnen werden kann, ist das Anliegen dieses Sammelbandes. Mit Beiträgen von Elisabeth Hassmann, Christa Riedl-Dorn, Anna Maerker, Nora Fischer (Hg.), Gernot Mayer, Hans C. Hönes, Werner Telesko, Anna Mader-Kratky (Hg.), Markus Krajewski, Andrea Seidler, Thomas Wallnig, Debora J. Meijers, Eva Kernbauer.