Living in Refuge ist ein einzigartiges, dichtes sozio-historisches Porträt von zwei
palästinensischen Flüchtlingslagern im Libanon, die sich nach 2011 und dem Zustrom
syrischer Flüchtlinge stark verändert haben. Es basiert in erster Linie auf ethnografischen
Feldforschungen des Autors im Libanon, die er zwischen 2006 und 2010 24 Monate lang vor
Ort durchgeführt hat, und in zweiter Linie auf Feldforschung unter palästinensischen
Flüchtlingen zwischen 2010 und 2019 im Libanon, in Brasilien, Dänemark und Österreich.
Das Buch vergleicht zwei gegensätzliche Muster sozialer Zugehörigkeit in einem
muslimischen palästinensischen Lager, Al-Jalil, und dem vor 2011 letzten christlichen
palästinensischen Flüchtlingslager der Welt, Dbayeh.
Durch seinen innovativen Fokus auf soziale Zugehörigkeitsprozesse, die auf dem
ritualisierten Rhythmus des täglichen Lebens basieren, präsentiert und analysiert der Autor
komplexe Diskurse, Praktiken, Erfahrungen und Emotionen des Lebens im Exil und
vermeidet vereinfachende Erklärungen, die ausschließlich auf dogmatischen Auffassungen
von Religion und Nationalität basieren.
In Al-Jalil war das gesellschaftliche Leben symbolisch militarisiert, drehte sich
weitgehend um palästinensische politische Parteien und soziale Bewegungen und war durch
eine offenkundige Ritualisierung des alltäglichen Lebens gekennzeichnet. Im Gegensatz dazu
war Dbayeh symbolisch entmilitarisiert, und die Ritualisierung war weit weniger ausgeprägt.
Die Zugehörigkeitsprozesse in Dbayeh vermischten sowohl palästinensische als auch
libanesische Elemente. Die orthodoxe Lehrmeinung neigt dazu, die Unterschiede zwischen
den Lagern hauptsächlich den verschiedenen Religionen zuzuschreiben. Diese Studie zeigt
jedoch, wie moralische Selbstkultivierung, Frömmigkeit und Religiosität, Nationalität,
Zuflucht und Politik miteinander in Beziehung treten und einen Großteil des täglichen Lebens
in den Lagern bestimmen.