Literatur in Österreich 1938-1945, Band 6: Salzburg
Austrian Literature 1938-1945, Vol. 6: Salzburg
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (30%); Sprach- und Literaturwissenschaften (70%)
Keywords
-
Austrian Literature,
National Sozialism
Das Buch zu Salzburg ist der sechste Band eines Gesamtwerks, das alle Bundesländer des damals in sieben Reichsgaue des Deutschen Reiches aufgeteilten Österreich in Form einer flächendeckenden handbuchartigen Bestandsaufnahme darstellt. Es handelt sich analog zu den bisher erschienenen Bänden zur Steiermark (2008), zu Kärnten (2011), zu Oberösterreich (2014), zu Wien (2017) und zu den NS-Institutionen (2021) um das erste zeitlich eingeschränkte Literaturlexikon eines Bundeslandes, begriffen als ein regionales literarisches Teilsystem, das in der Interaktion von AutorInnen und literarischen Institutionen beschrieben wird. Dem entsprechend werden seine Institutionen (Organigramm der Kultur, Förderung und Zensur, literarische Vereine, die Medien Theater, Rundfunk, Verlage, Periodika und Anthologien) sowie seine AutorInnen miteinander verschränkt handbuchartig dargestellt. Da es sich im Nationalsozialismus um eine Diktatur handelte und die Machtzentren außerhalb der Region lagen, wird deren relative Autonomie in der Darstellung überschritten, indem Interaktionen, Zugriffe der und Abhängigkeiten von den Zentren beschrieben werden. Somit kann das Buch als Versuch, eine empirische und analytische Basis für die Darstellung des literarischen Feldes im Sinne von Pierre Bourdieu zu bieten, betrachtet werden. Methodisch wird insofern eine Gesamtdarstellung angestrebt, als sie ohne einschränkenden, wertenden Rückgriff auf Kanonisierungen verfährt und somit der Favorisierung bestimmter Teilfaktoren (z. B. der bedeutendsten Institutionen und Persönlichkeiten, der selektiven Wahrnehmung von Textgruppen wie der sogenannten Hoch- und Trivialliteratur, der Kinder- und Jugendliteratur, populärwissenschaftlicher Werke, von Propagandaliteratur, esoterischen, okkulten und religiösen Schriften, von sogenannter Volks-Literatur etc.) vermieden wird. Die Dichte der Informationen beruhend auf breitem Quellenmaterial (Archivbestände und Druckschriften) erlaubt es, an die Stelle qualitativer Kriterien der Auswahl formale zu setzen. Um Kontinuitäten und Brüche aufzuzeigen wird besonders die Dynamik historischer Zäsuren beachtet, bei den Biografien z. B. sowohl die Vor- als auch die Nachgeschichte partiell einbezogen, signifikant sind der Einbezug von Entnazifizierungsakten und der Verbotslisten nach 1945 sowie der Literaturpreise und Ehrungen, welche die Integration einer Schriftstellerin / eines Schriftstellers in die unterschiedlichen Systeme von der Monarchie bis zur Republik nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland und Österreich illustrieren.