Krit. Edition des Demetriuspsalters und der Mediz. Blätter
Crit. edition of the Demetrius-Psalter and the Medical Folia
Wissenschaftsdisziplinen
Chemie (12%); Informatik (8%); Sprach- und Literaturwissenschaften (80%)
Keywords
-
Critical Edition,
Sinai,
Old Church Slavonic,
New Finds of 1975,
Glagolitic,
Manuscript
1975 kam es im Katharinenkloster am Sinai zu einem Jahrhundertfund alter Handschriften, darunter sieben in der vom Slawenlehrer Konstantin-Kyrill um 863 entworfenen slawischen Schrift, der Glagolica. Eine erwies sich als fast vollständig erhalten und wird aufgrund späterer Benutzereinträge als Psalter des Demetrius bezeichnet. Eingelegt fanden sich drei (von ursprünglich mindestens vier) mit meist pflanzlichen Rezepten für diverse Krankheitssymptome, die Medizinischen Blätter. Während der Psalter sicherlich auf dem Sinai, von Schreibern aus dem westlichen Balkan, um die Mitte des 11. Jh.s abgeschrieben wurde, sind die Medizinischen Blätter etwas früher einzuordnen und dürften im Raum Istrien-Kvarner Inseln nach einer bulgarischen Vorlage geschrieben und ergänzt worden sein. Der Text des gottesdienstlich gestalteten Psalters enthält die (auch von Konstantin-Kyrill verfertigte) Erstübersetzung ins Slawische, die Einlage den frühesten slawischen medizinischen Text - ein ungewöhnliches Werk vor dem Hintergrund der sonst stets religiösen sog. altkirchenslawischen Literatur, das Einblicke in das Leben eines Mönchsheilers mit entsprechenden Einflüssen der Alltagssprache bietet. Ebenso ungewöhnlich sind die wiederum auf dem Sinai gegen Ende des 11. Jh.s entstandenen, umfangreichen Nachträge des Demetrius, die aus persönlichen Vermerken und einem bemerkenswerten Gebetszyklus bestehen, in den noch ein lateinisch-griechisch-glagolitisches Abecedar eingeflochten ist. Auch wenn Demetrius den Zyklus nur z.T. selbständig verfasst hat, während er den Rest teils bulgarischen, teils wohl aus Böhmen stammenden Vorlagen (sog. Gregorgebet, aus dem Lateinischen übertragen) entnahm, darf er als erster namentlich bekannter serbisch-montenegrinischer Literat gelten. Nach einer Faksimile- und Internetausgaben werden nun in Band II der Reihe Glagolitica Sinaitica die Texte dieser bedeutsamen Handschriften erstmals im Druck vorgestellt, jeweils mit textkritischen Anmerkungen. Dem Textteil vorangestellt ist ein umfangreicher Untersuchungsteil, worin zuerst die seit der Faksimileausgabe erschienenen Abhandlungen, und dann die schon angeschnittenen Fragestellungen nach Ort und Zeit der Abfassung, Einordnung der Schreiber, Charakteristik des Psaltertexts sowie von Textstruktur, Inhalt und Sprache der Demetriuseinträge und der medizinischen Anweisungen behandelt sind; letzteren Kapiteln beigefügt sind noch Wortverzeichnisse der Texte. Um dem Leserkreis auch Originaleinsicht zu bieten, ist dem Band ein Datenträger mit Farb- und Schwarz-weiß-Aufnahmen (in verschiedenen Spektren) der Handschriften beigegeben. Herstellung und Art dieser Fotos gewidmet ist ein entsprechendes Kapitel des Untersuchungsteils, auf das als weiterer naturwissenschaftlicher Teil die durch Röntgenspektroskopie erzielte chemische Analyse der Herstellung der Handschriften benutzten Materialien folgt zwei Nova in der bisher rein philologisch-historischen Darbietung mittelalterlicher Quellen. 162
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