MöglichkeitsrÀume sexueller Bildung ausloten
Spaces for Sex Education in Teacher Training
Wissenschaftsdisziplinen
Erziehungswissenschaften (80%); Soziologie (20%)
Keywords
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Sex Education,
Ethnography,
Teacher Education,
Professionalisation,
Sexualitiy,
Gender Reflexivity
Seit 1970 gilt das Unterrichtsprinzip Sexualerziehung in Ăsterreich fĂ€cherĂŒbergreifend und fĂŒr alle Schultypen. Wie werden Lehrer:innen auf Sexualerziehung und sexuelle Bildung in Unterricht und Schulalltag vorbereitet? Und welcher Stellenwert kommt dabei Lustfreundlichkeit, sexueller Vielfalt, GewaltprĂ€vention und Antidiskriminierung zu? Diese Fragen stehen im Zentrum der Forschung von Marion Thuswald zu sexualpĂ€dagogischen Aus- und Fortbildungsveranstaltungen fĂŒr PĂ€dagog:innen. Die Autorin untersucht zunĂ€chst wissenschaftliche, pĂ€dagogische und politisch-mediale Debatten um schulische SexualpĂ€dagogik und geht dabei der Frage nach, warum SexualitĂ€t als wichtiges und gleichzeitig heikles pĂ€dagogisches Thema verstanden wird. Zudem beschreibt sie historischen Entwicklungen in der SexualpĂ€dagogik und arbeitet heraus, welche Bedingungen sexuelle Bildung in der Schule zu einer herausfordernden Aufgabe machen. Der Hauptteil der Arbeit widmet sich einer soziografischen Studie, im Rahmen derer die Autorin zwischen 2013 und 2017 rund zwanzig halb- bis mehrtĂ€tige Aus- und Fortbildungsveranstaltungen zu SexualpĂ€dagogik an PĂ€dagogischen Hochschule, Fortbildungseinrichtungen, sexualpĂ€dagogischen Fachstellen und UniversitĂ€ten beobachtet hat. Die Studie zeigt sich, dass alle Veranstaltungen praxisorientiert und sexualfreundlich ausgerichtet sind und ehemals umstrittene Themen wie Kinder- und JugendsexualitĂ€t, VerhĂŒtung, Masturbation, HomosexualitĂ€t und Pornografie in allen Veranstaltungen aufgegriffen werden. Dennoch lassen sich zwischen den Veranstaltungen wesentliche Unterschiede in der (didaktischen) Gestaltung ausmachen; insbesondere dahingehend, ob diese geschlechterreflektiert ausgerichtet sind, vielfĂ€ltige geschlechtliche und sexuelle Lebensweisen einbeziehen und GewaltprĂ€vention zum Thema machen. Auf diesen Ergebnissen aufbauend formuliert Marion Thuswald unter den Begriffen Sprachlosigkeit, Lust, Verletzbarkeit und Emanzipation gegenwĂ€rtige Herausforderungen sexualpĂ€dagogischer Professionalisierung. Deutlich wird dabei die Notwendigkeit machtreflektierter ZugĂ€nge, die in VorschlĂ€gen zur Weiterentwicklung sexualpĂ€dagogischer Aus- und Fortbildungspraxis konkretisiert werden.