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Umweltwissen, Race, und afroamerikanische Literatur

Environmental Knowledge, Race, and African Amer. Literature

Matthias Klestil (ORCID: 0000-0001-5126-4063)
  • Grant-DOI 10.55776/PUB818
  • Förderprogramm Buchpublikation
  • Status beendet
  • Bewilligungssumme 10.000 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Geowissenschaften (20%); Sprach- und Literaturwissenschaften (80%)

Keywords

    Ecocriticism, Race, African American Literature, Nineteenth Century, Michel Foucault, Environment

Abstract

Viele denken bei afroamerikanischer Literatur und Kultur vor allem an Themen wie Sklaverei, Bürgerrechte und Rassismus, nicht aber an Natur, Ökologie oder Umwelt. Hingegen demonstriert dieses Forschungsprojekt, dass afroamerikanische Literatur schon in ihren frühesten schriftlichen Formen, also noch während der Versklavung schwarzer Menschen in den Südstaaten der USA, intime Beziehungen zur Natur, zum Beispiel zu Tieren, Pflanzen oder Landschaften, entwickelte und ausdrückte. Das Projekt untersucht ein Umweltwissen in afroamerikanischer Literatur und zeigt, wie afroamerikanische Autorinnen und Autoren des neunzehnten Jahrhunderts eigene Wege und Techniken zur Beschreibung von Natur fanden, die oft gleichzeitig soziale Kritik zum Ausdruck brachten. Das Buch untergliedert sich in zwei Hauptteile, die zwei längere Zeiträume untersuchen. Einerseits werden Texte der letzten drei Jahrzehnte vor dem Amerikanischen Bürgerkrieg unter die Lupe genommen, andererseits Literatur aus der Zeit nach dem Krieg und der Abschaffung der Sklaverei. Schon vor dem Bürgerkrieg verfassten Afroamerikanerinnen und Afroamerikaner literarische Werke, oft gerade jene, die der Versklavung entflohen waren. So entstand das erste große Genre afroamerikanischer Literatur, die sogenannten Sklavenerzählungen. Der erste Teil des Buches zeigt unter anderem, wie solche Sklavenerzählungen Natur beschreiben, und zwar mit anderen Mitteln und aus anderen Perspektiven als die Mainstream-Romantik jener Zeit. Die Texte offenbaren zum Beispiel alternative Beziehungen zur Wildnis, zum ländlichen Raum, und zu Fluchträumen, in denen entflohene Sklaven nicht nur mit menschlichen Helfern zusammenarbeiteten, die gegen die Sklaverei kämpften, sondern auch ein Wissen über Tiere, Pflanzen, und Landschaften entwickelten und nutzten, um Widerstand zu leisten. Der zweite Teil des Buches schaut auf Werke, die in den Jahrzehnten nach dem Ende des Bürgerkriegs im Jahr 1865 bis hin zur Jahrhundertwende geschrieben wurden. Hier zeigt sich, dass afroamerikanische Autorinnen und Autoren viele der Ideen über Natur aus den früheren Sklavenerzählungen aufnahmen und in neuen Kontexten, etwa in Romanen und Kurzgeschichten, weiterentwickelten. Naturräume werden nun zum Beispiel mit Ideen von Bildung oder sozialem Fortschritt verknüpft. Außerdem versucht man, neue Beziehungen zwischen Mensch und Arbeit in und mit der Natur zu realisieren, um Traumata der Sklaverei zu heilen und Rassismus zu bekämpfen. Letztlich sieht man so, dass afroamerikanische Literatur ein ausgeprägtes Umweltwissen bereithält, das mit dem Kampf gegen soziale Ungleichheit und Rassismus verknüpft ist und von dem sich auch heute noch viel lernen lässt.

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