Neubeginn akademischer Wissenschaft in Österreich 1945-55
The restart in Austrian academia and the postwar-reality
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (94%); Philosophie, Ethik, Religion (2%); Politikwissenschaften (4%)
Keywords
-
Austria,
United States of America,
Cold War,
University,
Reorientation,
Cultural Relations
Die Arbeit beschäftigt sich mit Ursprung und Formierung der US-amerikanischen Reorientierungs-Konzepte für eine Nachkriegsdemokratisierung und deren Umsetzung nach 1945, dargestellt anhand von Fallbeispielen im Bereich des universitär-akademischen Wiederaufbaus in Österreich in den Jahren 1945-1955. Auf Basis umfangreichen Primärquellenmaterials werden die Veränderungen und Konkretisierungen der US- Reorientierung, beginnend in den Kriegsjahren bis zu den US-Propagandastrategien zur Zeit des ausbrechenden Kalten Krieges, dargestellt und analysiert. Die zivilgesellschaftliche Intention der US-Reorientierung, durch "geistige Abrüstung" und langfristige Demokratisierungsmaßnahmen zu einer nachhaltigen Friedensicherung beizutragen, verengte sich nach Kriegsende unter dem pragmatischen Blickwinkel militärischer Besatzungsaufgaben zunächst auf ein schmales Kontrollrepertoire kultur-, bildungs- und wissenschaftspolitischer Aufgaben, bis die US-Reorientierung schließlich vollends zum Instrument des Kalten Krieges wurde. Das edukative Experiment einer mentalen gesellschaftlichen Umorientierung wurde so selbst in seinem Kernbereich, der vollständigen Entnazifizierung, nur sehr eingeschränkt wirksam. Im Windschatten der wissenschaftspolitischen "non-interference-policy" der US-Militärverwaltung in Österreich vollzog sich der universitär-akademische Wiederaufbau in den Jahren zwischen 1945-1955 weitgehend ohne alliierte Kontrolle und Supervision in restaurativen Bahnen. Mit der generellen Trendwende der US-Reorientierungs-Politik, die mit dem Ausbruch des Kalten Krieges einherging, schoben sich Elemente der politischen Propaganda und der Psychologischen Kriegsführung immer stärker in den Vordergrund, wobei die wesentlichen Kernelemente der geistigen Umorientierung, wie sie während der Kriegsjahre mit Bezug auf die Wetre und Grundlagen des zivilgesellschaftlichen Amerika entwickelt wurden, zunächst tendenziell eher gestärkt als geschwächt wurden. Die zugrundeliegenden, originären Konzepte und Planungen für eine "Reeducation" beziehungsweise "Reorientation" der Achsenmächte nach Kriegsende fungierten, insbesondere nachdem das State Department die Agenden übernahm, als eine Art "Blaupause" für die sicherzustellende ideell-mentale und wirtschaftlich-ökonomische Westorientierung. Freilich reduzierte der Kalten Krieg und die damit einhergehende schleichende Militarisierung der US- Europapolitik die zwischenzeitliche Konjunktur der ursprünglichen Demokratisierungsplanungen bald zu einerm rein strategisch-idelogischen Planungsinstument, das primär Propagandafunktion hatte, wodurch auch die Entnazifizierung als wesentlicher Teil der ursprünglichen Reorientierungs-Konzepte bald ad acta gelegt wurde. Interessanterweise nahm die auf völliger "Nichteinmischungs-Politik" beruhende Position der "USFA-Education Division" gegenüber den österreichischen "Kollegen" geradezu vorweg, was schließlich die bestimmende Handlungsdirektive der im Kampf um die ideologisch-weltanschauliche Ausrichtung Österreichs ("Struggle for Austrian Minds") werden sollte freundliche Unterstützung in allen materiellen Angelegenheiten und die auf diese Weise langfristig und nachhaltig für sich sprechende Überzeugungskraft des "American way of life".