Ökonomien der Parodie am Wiener Vorstadttheater
The Economies of Parody in Viennese Polpular Theatre
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (10%); Kunstwissenschaften (30%); Sprach- und Literaturwissenschaften (60%)
Keywords
-
Viennese Popular Theatre,
Economic Crisis,
Parody,
Political Repression,
Censorship,
Edition Philology
Das interdisziplinäre Buchprojekt verknüpft wirtschafts- und sozialgeschichtliche Aspekte mit gattungstypologischen Fragestellungen. Am Beispiel der Parodie an den Wiener Vorstadtbühnen im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts sollen die verschiedenen Ökonomien dieses Genres hinterfragt und so ein Beitrag zur Grundlagenforschung zum Wiener Volkstheater geleistet werden. Anders als in bisherigen (literatur-)wissenschaftlichen Annäherungen werden die Parodien an den Vorstadtbühnen als theaterpraktische Texte verstanden, die auf das Unterhaltungsbedürfnis einer Großstadt ausgerichtet sind und an denen sich nicht zuletzt die Produktionsbedingungen der Autoren an den gewinnorientierten, populären Unterhaltungstheatern in sozioökonomischen Krisenzeiten aufzeigen lassen. Durch die in den Stücken omnipräsente Geldmotivik wird zudem ein sozialhistorischer Kontext zu den Finanzkrisen der Habsburgermonarchie (Staatsbankrott 1811) hergestellt, die zu einer Zerrüttung der Staatsfinanzen, einer Verschiebung der sozialen Schichten und einem Misstrauen in Währung und Papiergeld führten. In den publikumswirksamen Parodien deutet sich eine theatrale Kommunikationsstrategie der Autoren an, in Zeiten repressiver Kontrolle und Zensur sowohl die politischen und gesellschaftlichen Turbulenzen als auch die zeitgenössischen Lebensängste auf der diskursiven Ebene der Komik zu reflektieren. Ziel der Edition ist es, diesen Fragestellungen anhand eines ausgewählten Textkorpus nachzugehen. Durch die kommentierte Edition von Joseph Alois Gleichs Fiesko der Salamikrämer (1813), Hermann Josef Herzenskrons Die Jungfrau von Wien (1813), Adolf Bäuerles Der Leopoldstag, oder Kein Menschenhaß und keine Reue (1814) und Der blöde Ritter (1822) sowie Karl Meisls Julerl, die Putzmacherin (1828) und Fra Diavolo oder das Gasthaus auf der Strasse (1830) soll eine repräsentative Auswahl der parodierten Genres (Klassiker-Parodien, Opernparodien, Ballettparodie, Parodie des populären bürgerlichen Rührstücks) neu zugänglich gemacht und so auf editionsphilologischem Gebiet eine Forschungslücke geschlossen werden.