Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen
World War II in Post-Communist Memorial Museums
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (40%); Geschichte, Archäologie (20%); Politikwissenschaften (40%)
Keywords
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Memorial Museums,
Europeanization of Memory,
Post-Communist Transformation,
Universalization of the Holocaust,
World War II,
Memory Politics
Das Buch untersucht die Museumslandschaft in allen postsozialistischen EU-Mitgliedsländern von Estland im Norden bis Kroatien im Süden. Es geht der Frage nach, wie der Zweite Weltkrieg in großen, öffentlich finanzierten Gedenkmuseen, die nach dem Zusammenbruch des Ostblocks 1989 (wieder-)eröffnet wurden, ausgestellt wird. Gedenkmuseum meint dabei Institutionen, die Gedenken und historische Information, in diesem Fall über die Zeit des Zweiten Weltkriegs, miteinander vereinen. Die EU-Beitrittsbemühungen der postsozialistischen Länder fielen in eine Zeit, in der sich einerseits die Europäische Union um eine gemeinsame europäische Erinnerungskultur bemühte und in der andererseits Geschichte nach dem Fall der kommunistischen Regime neu geschrieben wurde. Die kultur-, geschichts- und politikwissenschaftliche Studie fragt danach, wie diese Museen über ihre neuen Dauerausstellungen in dieser Zeit versuchten, mit Europa zu kommunizieren. Zehn Museen werden dabei vor allem verglichen: das Museum der Okkupationen in Tallinn (Estland), das Museum der Okkupation Lettlands in Riga, das Museum der Genozidopfer in Vilnius (Litauen), das Museum des Warschauer Aufstands (Polen), die Gedenkstätte Theresienstadt (Tschechische Republik), das Museum des Slowakischen Nationalaufstandes in Bansk Bystrica, das Haus des Terrors und das Holocaust-Gedenkzentrum in Budapest (Ungarn), das Zeitgeschichte-Museum in Ljubljana (Slowenien) sowie das Jasenovac-Gedenkmuseum (Kroatien). Das Buch fragt auch nach dem Grund des Fehlens solcher großer Gedenkmuseen in Bulgarien und Rumänien. Das Buch gibt nicht nur einen Überblick über die Entstehungsgeschichte der Museen und ihre heutigen Dauerausstellungen. Es fragt auch danach, wie die sowjetische und die nationalsozialistische Okkupation und der Holocaust, Opfererzählungen und Kollaboration in den jeweiligen Ländern verhandelt werden, aber auch, welche Auswirkungen die EU-Beitrittsbemühungen auf dieses Aushandeln hatten und wie sich heutige autoritäre Tendenzen, vor allem in Ungarn und Polen, auf die Museen auswirken. Diese erste Typologie postsozialistischer Museen zeigt, dass jene Museen, in denen die sowjetischen Verbrechen an der Mehrheitsbevölkerung des eigenen Landes im Vordergrund stehen, diese Wir- Gruppe anhand von individuellen Geschichten und Privatfotos darstellen, die Mitgefühl wecken. Opfer der nationalsozialistischen Besatzung, vor allem Jüdinnen und Juden, werden dort hingegen als Zahlen oder anonyme Leichen ausgestellt. Eine andere Gruppe von Museen wollte während der EU- Beitrittsbemühungen mit neuen Dauerausstellungen beweisen, dass das jeweilige Land bereit für Europa sei und hat daher nach dem Vorbild westlicher Holocaust-Museen auch verfolgte Jüdinnen und Juden mithilfe individueller Geschichten vorgestellt. In diesen Museen sind es nun die Romnja und Roma, die als Zigeuner verfolgt wurden, die klischeehaft und zum Teil alte Vorurteile fortschreibend dargestellt werden.