Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (50%); Geschichte, Archäologie (50%)
Keywords
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Joseph Eckhel,
Numismatics,
Enlightnement,
Classical Studies,
History Of Scholarship
Das Sammeln antiker Münzen und ihr Vergleich mit anderen Zeugnissen des Altertums geht auf die Renaissancezeit zurück. Bereits im 16. Jahrhundert entstanden dann umfangreiche Kataloge griechischer und römischer Prägungen, wobei vor allem die lange Reihe römischer Kaisermünzen aufgrund der Herrscherportraits besondere Aufmerksamkeit genoß. Im 17. Jahrhundert wurde die hohe Bedeutung der Numismatik als Grundlagendisziplin der Geschichtsforschung dann schon unter verschiedensten Gesichtspunkten wissenschaftlich herausgearbeitet. Die Zeit der Aufklärung brachte für die Münzkunde dann einen bedeutenden Umbruch. Durch die Publikation vieler großer Münzsammlungen stieg die Anzahl der bekannten antiken Münztypen rapide an, und die Detailkenntnisse zur Prägetätigkeit einzelner Münzstätten und Herrscher(-dynastien) wuchsen stetig. Es fehlte jedoch noch immer an einer wissenschaftlichen, allgemein akzeptierten Methode, die enormen Materialmengen in den Schränken der Münzkabinette wie auch in den zugehörigen Katalogen zu ordnen und zu systematisieren. Frei erfundene Münztypen geisterten noch immer durch die Literatur, und es fehlte ein Grundlagenwerk, das den Wissensstand zur antiken Numismatik zusammenfaßte und die griechischen und römischen Münzen als Quellen für Philologen und Historiker direkt nutzbar machte. Diese fundamentalen Defizite beseitigte der österreichische Numismatiker Joseph Eckhel (17371798). Auf Grundlage der Vorarbeiten von Joseph Pellerin (16841783) schuf er das sogenannte Eckhelsche System, das in vieler Hinsicht bis heute als verbindlich für die Ordnung griechischer und römischer Münzen gilt: die nicht-römischen Prägungen ordnete er geographisch, im Uhrzeigersinn um das Mittelmeer, die römisch-kaiserzeitlichen Prägungen streng chronologisch, jeweils ohne Trennung der Metalle. Mit seiner achtbändigen Doctrina numorum veterum (Wien, 17921798) lieferte Eckhel eine Gesamtdarstellung der antiken Münzprägung auf dem Forschungsstand des ausgehenden 18. Jahrhunderts, den er maßgeblich mitbestimmt hatte. Sein Werk diente bis in das 20. Jahrhundert als maßgebliches Referenzwerk und ist in manchen Punkten bis heute von praktischem Nutzen. Trotz seiner fundamentalen Bedeutung wurde Eckhels Leben und Wirken bisher nicht genauer erforscht. Dieser interdisziplinäre Sammelband, entstanden im Zuge eines Forschungsprojekts zur Aufarbeitung von Eckhels wissenschaftlicher Korrespondenz, füllt deshalb eine Lücke. Er enthält 21 reich illustrierte Beiträge von Geschichtsforschern, Numismatikern und Wissenschaftshistorikern. Sie widmen sich Eckhels Tätigkeit als Direktor des kaiserlichen antiken Münzkabinetts und als Professor für Numismatik an der Universität Wien (beides ab 1774), Eckhels Werken nicht nur zu Münzen, sondern auch zur antiken Glyptik sowie deren Einfluß auf Zeitgenossen und spätere Generationen, mit spezifischem Augenmerk auf Eckhels Rolle in der numismatischen Methodengeschichte.