Das sogenannte ´Königliche Gerichtsbuch´
The so-called ´Royal Court Book´
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (75%); Rechtswissenschaften (25%)
Keywords
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Emperor Frederick III,
15th century,
Royal Chamber court,
Court record,
Royal Chancellery,
Humanism
Das Koenigliche Kammergericht ist eine Vorstufe des Reichskammergerichts und stand in der Forschung lange im Schatten seiner Nachfolge-Institution. Erst die Studien von Christine Reinle, Friedrich Battenberg, Paul-Joachim Heinig und Bernhard Diestelkamp haben es staerker in den Fokus der Forschung gerueckt. Allerdings blieb bislang insbesondere die Fruehzeit des Koeniglichen Kammergerichts um die Mitte des 15. Jahrhunderts weitgehend im Dunkeln, als dieser Gerichtshof erstmals deutlich gegenueber dem aelteren Hofgericht hervortrat. Im Zuge neuer Untersuchungen konnte der Antragsteller eine bislang unbekannte Quelle dazu auffinden. Das Koenigliche Gerichtsbuch protokolliert Informationen zu 277 Verfahren am Hof, dabei insbesondere die jeweiligenRichter und Beisitzersowie Prozesshandlungen wie Urteile, Zeugenaussagen oder Bevollmaechtigungen.Die ueberwiegende Mehrzahl der enthaltenen Informationen war der Forschung bislang voellig unbekannt. Die vorliegende Publikation bietet den vollstaendigen Wortlaut dieser wichtigen Quelle im Volltext. Sie wird mit einem Vorwort von Bernhard Diestelkamp eingeleitet, der die zentrale Bedeutung dieser Quelle fuer die Forschung unterstreicht. In der darauffolgenden umfangreichen Analyse ordnet der Antragsteller das Buch in die rechts- und kulturhistorische Forschung ein. An den Editionstext schließen umfangreiche Register an, ohne die eine Benuetzung dieser Handschrift kaum moeglich waere. Dieser integrale Bestandteil der Publikation beinhaltet ein Sitzungsverzeichnis des Kammergerichts sowie eine Verfahrungsliste, die saemtliche enthaltene Eintraege erschließt. Sie enthaelt neben Informationen zu Parteien, Prokuratoren und Laufzeit auch Hinweise zu Vorinstanzen und Kommissionen, die zum Teil aus anderen Quellen erschlossen wurden. Den Abschluss des Buches bildet ein umfaenglicher Orts- und Personenindex, der die breite regionale Streuung der verzeichneten Personen deutlich macht. Diese reicht von der Hansestadt Bremen im Norden bis zur Grafschaft Goerz im Sueden, vom Hochstift Cambrai im Westen bis zum Deutschordensland im Osten. Im Rahmen dieser Publikation wird auch die Verwaltungspraxis am Hof Friedrichs III. analysiert, wobei unter anderem Thesen zur Intensivierung der Verschriftlichungsprozesse im 15. Jahrhundert oder zum Verhaeltnis von Hof- und Kammergericht auf dem Pruefstand standen. Im Zentrum der Untersuchung steht nicht zuletzt auch der konkrete Verfahrensablauf am Kammergericht sowie die politische Relevanz dieses Gerichtshofes. Das hier erstmals der Forschung zur Verfuegung gestellte Gerichtsbuch stellt eine erstrangige Quelle fuer die Rechts- und Verwaltungsgeschichte des spaetmittelalterlichen Reiches dar, die enthaltenen 690 Eintraege bieten darueber hinaus aber auch zahlreiche weitere, bislang vollkommen unbekannte Informationen fuer lokal-, sozial- oder geschlechtergeschichtliche Forschungsfragen.
- Universität Wien - 100%