Motetten am Hof Maximilians II. (1527–1576)
Motets at the Court of Maximilian II (1527–1576)
Wissenschaftsdisziplinen
Kunstwissenschaften (100%)
Keywords
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Renaissance music,
Motet,
Habsburg Court,
Maximillian II,
Phillipe de Monte,
Confessionalization
Seit ihren Anfängen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert konzentriert sich die musikwissenschaftliche Forschung zu habsburgischen Hofkapellen meist auf deren Organisation und Personal; die dort komponierte Musik spielt hingegen nur eine untergeordnete Rolle. Die Hofkapelle und somit auch das am Hof gepflegte Repertoire diente nicht nur der höfischen Repräsentation, sondern musste auch den künstlerischen und religiösen Vorlieben eines Herrschers genügen. In vorliegender Studie wird erstmals das geistliche Motettenrepertoire verzeichnet und analytisch erschlossen, welches Mitglieder der Hofkapelle des Erzherzogs und späteren Kaisers des Heiligen Römischen Reiches Maximilian II. mutmaßlich während ihrer Zeit in Diensten am genannten Hof komponierten. Der Untersuchungsgegenstand beinhaltet neben Kompositionen bekannter Musiker wie Jacobus Vaet, Philippe de Monte, Jacob Regnart oder Georg Prenner auch Motetten ihrer unbekannten Kollegen Antonius Galli, Petrus Hailland, Wilhelmus Formellis, Franciscus Mergot de Novo Portu, Henry de la Court und Simon de Roy. Obwohl sich Maximilian öffentlich zum Vatikan bekannte, hegte er große Sympathien für die Reformation. Daher geht die vorliegende Studie zudem der Frage nach, auf welche Weise sich die Diskrepanz zwischen romtreuem Hofzeremoniell und dem persönlichen Glaub en des Herrschers in den Motetten widerspiegelt. Aussagekräftig dafür ist eine eingehende Untersuchung sämtlicher Motettentexte nach formalen und inhaltlichen Kriterien sowie eine Analyse verschiedener musikalischer Parameter, wie dem Umgang mit dreizeitigen Metren, homophonen Passagen, Cantus firmus-Technik sowie der Verarbeitung von präexistentem musikalischem Material und der Verwendung von Kanonanweisungen. Die Ergebnisse werden meist statistisch ausgewertet, viele Sachverhalte jedoch auch an einzelnen Kompositionen veranschaulicht. Darüber hinaus kontextualisieren Vergleiche mit dem wissenschaftlich gut erschlossenen Motettenschaffen von Orlando di Lasso, Giovanni Pierluigi da Palestrina und Jacob Handl-Gallus das am Hof Maximilians II. entstandene Repertoire.
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