Wissenschaftsdisziplinen
Kunstwissenschaften (5%); Philosophie, Ethik, Religion (95%)
Keywords
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Epistemology,
Remembrance,
Power of Imagination,
Critical Theory,
Kant,
French Theory
Was für ein Verständnis von Kunst und Gesellschaft ist möglich, wie kann unsere Einbildungskraft in der Gegenwart Wirksamkeit entfalten, nachdem die Realität von Auschwitz als unüberbrückbarer Abgrund das Denken wie die Kultur bestimmt? Im Zentrum der folgenden Arbeit steht die Befragung der Kategorie der Einbildungskraft. Ihr Gegenstand sind erkenntnistheoretische und ästhetische Argumentationen im Kontext von Gedenken. In der Dialektik der Aufklärung verhandeln Horkheimer und Adorno unter Berufung auf die Kategorie der Einbildungskraft erkenntnistheoretische wie gesellschaftliche Aporien, die sie als Resultat einer solchen Dialektik begreifen. Dabei bilden ihre Argumentationen selbst den Ausgangspunkt einer kritischen Analyse. In Bezug auf die für die Arbeit zentrale Kategorie der Einbildungskraft bilden dabei Immanuel Kants Kritiken einen zentralen Bezugspunkt für die ästhetischen Überlegungen von Horkheimer und Adorno, gleichzeitig sind sie als zentrale Texte der Aufklärung signifikante Quelle. Wie für Adorno und Horkheimer wird Kant bestimmend auch für Jean-Franois Lyotard, Hannah Arendt, Sarah Kofman, die an seine erkenntnistheoretischen Grundlagen ebenso wie an seinen erkenntnistheoretisch reflexiven Begriff der Kritik anschließen. Sie entwickeln spezifische Deutungen und Neubewertungen des Verhältnisses der Kantischen Kritiken und der in ihnen dargelegten Grundannahmen. Der Blick auf einen spezifischen Ausschnitt des von der Gedenkstätte Yad Vashem auf YoutTube öffentlich zugänglich gemachten Materials zum Eichmann Prozess ergänzt die Perspektive. Im Jahr 2002 entzündet in Frankreich Georges Didi-Huberman mit seinem Buch Images malgré tout, (Bilder trotz allem) eine erneute Debatte über die Möglichkeit möglicher bildlichen (Re-)Präsentation nach Auschwitz. Hier wird der Doppelcharakter der Einbildungskraft als produktives Bildvermögen sowie deren unterschiedliche Bewertung in ihrem Verhältnis zum Vermögen der Verstandeskräfte erneut maßgeblich für konträre bzw. disparate Positionen und eröffnet einen aktuellen Horizont ihrer kategorialen Diskussion. Gleichzeitig berührt die Diskussion der Einbildungskraft einen Diskurskreuzungspunkt zweier divergierender Fragehorizonte: Die These eines absoluten kulturellen Bruchs nach Auschwitz steht der These einer ambivalenten, jedoch kontinuierlichen Tradition der Einbildungskraft in der Genese des Vernunftdiskurses entgegen. Als Epilog erfolgt eine Betrachtung von Ruth Klügers Unterwegs verloren. Erinnerungen als Ausblick auf ein neuartiges Narrativ, in dem Auschwitz nicht mehr ausschließliche Perspektive im gegenwärtigen Leben ist.
- Stadt Wien - 100%