Sprachliche Analyse der niedergermanischen Votivformulare
Linguistic analysis of votive strings in Germania inferior
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (20%); Philosophie, Ethik, Religion (20%); Sprach- und Literaturwissenschaften (60%)
Keywords
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Celtic Studies,
Comparative Philology,
Roman Epigraphy,
Ancient History,
History of Religions,
Germanic Philology
Der zweite Band der Serie Fontes epigraphici religionum Celticarum antiquarum befasst sich mit jenen Weihinschriften, die, in der römischen Provinz Germania inferior aufgefunden, einen keltischsprachigen Hintergrund hatten oder gehabt haben könnten. Sein hier vorliegender erster Teilband untersucht erstmalig alle in ihnen enthaltenen Anrufungen aus rigoros sprachhistorischer Perspektive. Der zentrale Teil des Buches analysiert ganz systematisch mittels derselben zweiundzwanzig Parameter die vollständigen unterschiedlichen theonymischen Formulare, die 35 Einzelgottheiten, 2 Gottheitspaare und 61 Gruppen göttlicher Mütter (zumeist M ATRES und/oder M ATRONAE genannt) anrufen. Große Aufmerksamkeit wird dabei der Relativchronologie der verschiedenen Götternamen gewidmet, sowie ihrer genauen Wortbildung und ihren dialektalen Zügen, immer unter besonderer Beachtung möglicher Kontakte mit anderen keltischen Namen aller Gattungen und selbst mit den Panthea der gräkorömischen Welt, denn eine sprachlich keltische Anrufung muss sich nicht notwendigerweise an eine spezifische keltische Gottheit beziehen. Der dritte Teil des Buches rekapituliert die sprachlichen Schichten und die semantischen Kategorien, zu denen die untersuchten Götternamen gehören, sowie die in den Votivformularen beobachteten synkretistischen Phaenomene. Des Weiteren bietet er eine Typologie der niedergermanischen theonymischen Formulare und, in seinem letzten Kapitel, eine sprachwissenschaftliche Studie der Namen von Begünstigten und Dedikanten, die einen keltischen Hintergrund entweder haben oder gehabt haben mögen, also der Personennamen mit keltischer Etymologie sowie jener lateinischen Personennamen, die an einen keltischen Namen anklingen oder ihn eventuell übersetzen. Methodologische Vorbemerkungen zum Studium keltischer Religionsphasen und zur Klassifikation von Götternamen je nach syntaktischer Funktion, sprachlicher Gestalt, Semantik und Geschichte bilden die beiden Kapitel des ersten Teils des Buches, das durch einen zweifachen Appendix zur Ablösung der Keltischsprecher aus dem indogermanischen Verband sowie zu den ethnischen Spaltungen, die zur Herausbildung der verschiedenen keltischen Dialekte führten, vervollständigt wird.