Leopold Kupelwiesers Freskenzyklus
Leopold Kupelwieser´s Fresco Series
Wissenschaftsdisziplinen
Erziehungswissenschaften (10%); Geschichte, Archäologie (30%); Kunstwissenschaften (60%)
Keywords
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Leopold Kupelwieser,
Artistic Process,
Fresco Cycle,
Art Technology,
Cartoons,
19th Century History Painting
1847 wurde der niederösterreichische Künstler Leopold Kupelwieser (1796-1862) damit beauftragt, den großen Sitzungssaal im neuen Gebäude der nö. Statthalterei mit einem Freskenzyklus zur Österreichischen Geschichte auszuschmücken. Während in Deutschland zu dieser Zeit bereits mehrere bedeutende Geschichtszyklen realisiert worden waren, stellte dieses Unternehmen in der Österreichischen Monarchie das erste umfassende künstlerische Projekt dieser Art dar. Kupelwieser entwarf selbst das Programm für die insgesamt 23 Bildfelder und legte dabei eine zeitliche Achse von der Römerzeit bis in das frühe 19. Jahrhundert, während er die Geschichte des Habsburger-Reichs in historischen Ereignissen verdichtete, die in unmittelbarem Bezug zu den "Kernländern" Wien und Niederösterreich stehen. Ziel der Untersuchung war es, dieses groß angelegte Werk, an dem Kupelwieser fast drei Jahre arbeitete, in seiner Komplexität zu erfassen und vor allem den künstlerischen Prozess darzustellen, der in diesem Fall durch den Nachlass Kupelwiesers, der größtenteils am Nö. Landesmuseum aufbewahrt wird, besonders umfangreich dokumentiert ist. Der Hauptteil der vorliegenden Arbeit beinhaltet eine Darstellung der Genese des Bildprogramms und eine ikonographische Analyse der einzelnen Bildgegenstände sowie die Deutung des Gesamtkonzepts. Dazu werden einerseits drei handschriftlich verfasste Programmentwürfe und Entwurfsskizzen, die im Vorfeld der Arbeit entstanden waren, andererseits bildliche und literarische bzw. historiographische Quellen herangezogen. Auch biographische Zusammenhänge und künstlerische Vorbilder und Einflüsse werden diskutiert. Basierend auf einer formalen und inhaltlichen Auswertung des Bildprogramms wird schließlich auch die dem Freskenzyklus immanente Geschichtskonzeption beleuchtet und in den Kontext jener von beginnendem Nationalismus und Neoabsolutismus geprägten Epoche der österreichischen Monarchie gebracht. Im Katalogteil werden die Arbeitsprozesse bei der Entstehung des Freskenzyklus - Herstellung und weiterer Verwendung der in unmittelbarer Vorbereitung zu den Wandmalereien entstandenen Kartons sowie die Ausführung der Fresken - geschildert. Die Grundlage dieser Ausführungen sind technologische Untersuchungen sowie die Auswertung von Korrespondenzen, Plänen, Dokumenten und Fotografien; die Freskotechnik Kupelwiesers konnte anhand von Probetafeln sowie schriftlichen Quellen weitgehend rekonstruiert werden konnte. Die Darstellung von Kupelwiesers Werkprozess wird durch Gegenüberstellungen mit der Arbeitsweise von Vertretern der österreichischen vaterländischen Malerei und der Nazarener und ihres Umkreises ergänzt. Gerade an den Brennpunkten Karton und Freskotechnik manifestieren sich hier die komplexen wechselseitigen Bedingungen von künstlerischer Technik und inhaltlicher Aussage und vermittelt sich Material als Bedeutungsträger besonders artikuliert. Dementsprechend sucht die vorliegende Arbeit auch über eine Beschreibung der Materialien und ihrer Art der Verarbeitung und Verwendung Zugang zu Kupelwiesers Werk.