Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (100%)
Keywords
Lntemment Camps,
Criminology,
World War One,
Racism,
Roma and Sinti,
Refugees
Abstract
Eine Lösung der Zigeunerfrage im Ersten Weltkrieg? Diese beschönigende Bezeichnung ist üblicherweise mit
dem nationalsozialistischen Völkermord an Roma, Sinti, Lovara, Kalderasch, Jenischen und anderen fahrenden
Gruppen im Zweiten Weltkrieg verbunden. Doch bereits kurz nach Ende des Ersten Weltkriegs gingen Politiker in
der neu gegründeten Republik Österreich davon aus, dass es kein Zigeunerunwesen, wie es damals rassistisch
hieß, mehr gebe wie kamen sie zu dieser Annahme? Das Vorgehen gegen diese Bevölkerungsgruppen hat eine
lange Vorgeschichte. Schon ein halbes Jahrhundert vor dem Nationalsozialismus versuchten Politiker,
Wissenschaftler und Bürokraten in vielen europäischen Ländern, darunter in Österreich-Ungarn, die rassistisch
gestellte Zigeunerfrage zu lösen. Diese Studie untersucht, welche Ideen Wissenschaften, Verwaltung und
Polizei vor dem Ersten Weltkrieg in Österreich-Ungarn zur Lösung der Zigeunerfrage einbrachten. Die
Vorschläge reichten von Zwangsarbeit über Zwangsassimilation und Kindeswegnahme bis hin zu Deportationen
oder Internierungen in Lagern. Mit Kriegsbeginn wurden diese Forderungen zunehmend umgesetzt. Im Zuge der
Überwachung von Flüchtlingen, die ab 1914 aus Galizien und der Bukowina Richtung Wien flohen, sowie der
Verhaftung und Deportierung von politisch Verdächtigen hinter der Front kamen tausende in Lager. Ihr größter
gemeinsamer Nenner war, dass sie nicht zur deutschen Volksgruppe in Österreich-Ungarn gehörten. Unter
ihnen waren auch jene Menschen, die in den Augen der Bürokratie Zigeuner waren. Auch sie wurden deportiert,
in Lagern inhaftiert oder zum Militär eingezogen. Besonders ein Lager sollte wegen der mangelhaften
Versorgung der InsassInnen und der hohen Sterblichkeit sogar bei den Entscheidungsstellen in Wien berüchtigt
werden: das Lager in Hainburg an der Donau.