Çukuriçi Höyük 3. Ein FBZ Metallhandwerkerzentrum
Çukuriçi Höyük 3. An EBA metal working centre
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Naturwissenschaften (40%); Geschichte, Archäologie (60%)
Keywords
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Archaeology,
Archaeometallurgy,
Western Anatolia,
Arsenical copper,
Bronze,
Copper Smelting
Die vorgelegten Forschungsergebnisse fokussieren auf den ostägäisch-westanatolischen Raum, dem seit jeher eine Brückenfunktion zwischen dem Vorderen Orient und dem europäischen Raum zugesprochen wird. Dieser, vom Diffusionismus geprägte Ansatz erlaubt zwar, grundsätzliche Annahmen zur Vermittlung von metallurgischem Wissen zu postulieren, die Rolle der westanatolischen Küste als Ausgangspunkt für den Austausch und Technologietransfer während der 1. Hälfte des 3. Jahrtausends v. Chr. bleibt dabei jedoch weitgehend unklar. Der Fundort ukuriçi Höyük (Westtürkei) bietet mit seinen umfangreichen metallurgischen Resten und Metallwerkstätten die erstmalige Möglichkeit, Metallproduktion, Technologietransfer und Metallhandel während der Frühbronzezeit zu erforschen. Ziel ist eine umfassende interdisziplinäre Erforschung der metallurgischen Aktivitäten auf dem Tell sowie die Untersuchung seiner Einbindung in bereits bekannte Werkstatt- und Technikkreise im anatolischen Raum. Ebenso werden die Verarbeitungstechniken sowie die damit einhergehenden Arbeitsschritte der Technologiekette analysiert. Dem Aufkommen und Legieren von Bronze dem namengebenden Werkstoff für eine ganze Epoche soll ebenfalls entsprechende Aufmerksamkeit gewidmet werden. Die vorhandenen Edelmetallfunde geben Anlass, das Auftreten dieser besonderen Materialien im Untersuchungsgebiet wie auch die damit zusammenhängenden weiträumigen gesellschaftlichen und technologischen Bezüge zu betrachten. Schlussendlich sollen anhand der Herkunftsanalyse der verwendeten Erze und Metalle mögliche Bezugs- und Verteilungsnetzwerke des Kupfers im östägäisch-westanatolischen Raum untersucht werden. Der interdisziplinäre Forschungsansatz vereint sowohl geisteswissenschaftliche wie auch naturwissenschaftliche Methoden zur Beantwortung kulturhistorischer Fragestellungen. Neben archäologischen Methoden, wie etwaderTypologie, kommen Metallographie, Rasterelektronenmikroskopie, Röntgenfluoreszenz- und Massenspektrometeranalyse zum Einsatz, um im Einzelfall zuerst eine Objektbiographie und basierend darauf eine vollständige Technologiekette vom Rohmaterial bis zum Endprodukt zu beschreiben. Die abschließende theoriebasierte Diskussion führt die Forschungsergebnisse mit dem Ziel zusammen, menschlichen Aktivitäten und Interaktionen innerhalb prähistorischer Austausch- und Gesellschaftssysteme zu beschreiben und zu verstehen. Die Forschungen auf dem Cukurici Höyük stellen die erste umfassende archäometallurgische Untersuchung einer frühbronzezeitlichen Handwerkersiedlung dar, wie sie bis dato für den Forschungsraum noch nicht unternommen wurde. Die fächerübergreifend eingesetzten Methoden ermöglichen dabei weitreichende Aussagen und Schlussfolgerungen zu kulturhistorischen Fragestellungen.
- Universität Wien - 100%