Die Palastanlage oberhalb des Theaters von Ephesos
The palace complex above the theatre cf Ephesos
Wissenschaftsdisziplinen
Bauwesen (40%); Biologie (3%); Geowissenschaften (2%); Geschichte, Archäologie (55%)
Keywords
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Ephesos,
Palace Architecture,
Hellenistic and Roman urban planning,
Attalid administration,
Roman governor's palaces,
Province of Asia
In der frühen Geschichte des europäischen und vorderasiatischen Städtewesens ist die hellenistische Epoche aufgrund einer Vielzahl an neuen Stadtgründungen und der Konstruktion der ersten Großstädte der Antike eine Schlüsselperiode. Sie markiert auch den Aufstieg des antiken Ephesos zu einem der bedeutendsten politischen, administrativen und wirtschaftlichen Zentren an der Westküste Kleinasiens, im Westen der heutigen Türkei. Eine hoch über dem Hafen und dem großen Theater der Stadt gelegene Palastanlage veranschaulicht diesen Prozess in architektonischer und städtebaulicher Hinsicht. Für die Stadtlandschaft von Ephesos war ihre zum Hafen gewandte Ansicht mit dem Theater von besonderer Bedeutung, ist bislang mit Ausnahme des Theaters selbst jedoch kaum erforscht. Dies gilt auch für den beeindruckenden Gebäudekomplex oberhalb des Theaters, der eine besonders wahrnehmbare Position innerhalb des antiken Stadtgefüges einnahm und die geschlossene Stadtbebauung an dieser Stelle bekrönte. Auf der Basis neuer Feldforschungen widmet sich der vorliegende Band der Reihe Forschungen in Ephesos erstmals systematisch den weitgehend ungeklärten Fragen der Geschichte dieser Anlage über viele Jahrhunderte hinweg und ihrer Einbettung in die umgebende Stadtlandschaft. Die neuen Forschungsergebnisse legen nahe, dass der Gebäudekomplex wohl bereits in hellenistischer Zeit und über lange Jahrhunderte hinweg als Verwaltungsresidenz genutzt wurde. Die ältesten Gebäudeteile im Kern der Anlage wurden um die Mitte des 2. Jahrhunderts v. Chr. errichtet, zu einem Zeitpunkt, als Ephesos Teil des Reichs der Attalidenkönige von Pergamon war. Dieses Gebäude ein monumentales Peristylhaus mit repräsentativen Empfangssälen war Teil eines größeren urbanen Planungskonzepts, das auf die Monumentalisierung der zum Hafen gewandten Stadtansicht abzielte. Zusammen mit neuen Untersuchungen in anderen Stadtbereichen deuten die Ergebnisse darauf hin, dass die Zeit der pergamenischen Oberhoheit, in der Ephesos auch zum Hauptort eines regionalen Verwaltungsbezirks wurde, einen bislang zu wenig beachteten Meilenstein in der Entwicklung der Stadt darstellte. Die weitere Geschichte der Anlage bis in das frühe 7. Jahrhundert n. Chr. war von gewaltigen Ausbauten, wenngleich sie nicht ohne Brüche vonstattenging. Zum Zeitpunkt ihrer größten Ausdehnung in der römischen Kaiserzeit bedeckte der Baukomplex eine Abfolge künstlich angelegter, übereinander gestaffelter Terrassen auf einer Fläche von mehr als 10 000m. Vielfache Ähnlichkeiten zu den wenigen archäologisch bekannten Statthalterresidenzen des Imperium Romanum lassen vermuten, dass die Anlage über viele Jahrhunderte hinweg sowohl zeremonielle, öffentlich-repräsentative, und administrative Funktionen als auch Eigenschaften eines herrscherlichen Wohnsitzes in sich vereinte und daher mit Fug und Recht als Palast angesprochen werden kann.