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Freimaurer i. Alten Preußen 1738-1806. Die Logen i. Berlin

The Freemasons in Old Prussia. The Lodges in Berlin

Karlheinz Gerlach (ORCID: 0000-0002-5477-6475)
  • Grant-DOI 10.55776/PUB93
  • Förderprogramm Buchpublikation
  • Status beendet
  • Bewilligungssumme 14.000 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Andere Geisteswissenschaften (10%); Humangeographie, Regionale Geographie, Raumplanung (10%); Soziologie (80%)

Keywords

    Freemasons, 18th century, Prussia, Membership, Social History, Lodges

Abstract

Dieser Band bildet den Abschluss eines insgesamt dreiteiligen Werks (2. Die Logen zwischen mittlerer Oder und Niederrhein, 2007; 3. Die Logen in Pommern, Preußen und Schlesien, 2009), das den Zeitraum von 1738 bis 1806 in den Grenzen von 1793/1795 (2. Polnische Teilung, Frieden von Basel) umfasst. Gegenstand ist die Sozial- und Mentalgeschichte der Freimaurer, nicht die maurerische Symbolik. Die Gliederung ist für alle drei Bde. gleich: 1. ein narrativer Teil (Geschichte der Logen und Logenbünde), 2. ein systematischer Teil (Mitgliederstruktur, Konfessionen, regionale Herkunft, Arbeiten, Demokratie, Finanzen, soziale Tätigkeit, kulturelles Engagement, Logenbeziehungen), 3. ein biographischer Teil (alphabetische Mitgliederlisten mit Lebens- und Logendaten). Die Untersuchung wertet bisher unbekannte, im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, Berlin-Dahlem, aufbewahrte Archivalien der Altpreußischen Logen aus, d. h. nahezu die Gesamtheit der überlieferten Archivalien; das waren in der Zeit von 1991 bis 2012 1657 Verzeichnungseinheiten (VE; Protokolle, Logenreden, Korrespondenz, Mitgliederlisten), davon 841 zu Berlin. Herangezogen wurden außerdem die internen Logengeschichten und Periodika, des Weiteren die wissenschaftliche Literatur zu Freimaurerei, Sozietäten, Geheimgesellschaften, preußischer Aufklärung, zudem relevante Fachliteratur. Außer dem Geheimen Staatsarchiv wurden Bestände von Archiven und Bibliotheken in Bayreuth, Berlin, Den Haag, Kopenhagen, Magdeburg, Poznan (Ciazen), Stuttgart, Weimar und Wien genutzt. Die Freimaurerlogen in Brandenburg-Preußen weisen drei Wesensmerkmale auf: 1. Sie waren keine geheimen, sondern legale Vereine. Das maurerische Geheimnis galt nur für Lehre, Rituale, Gebräuche. 2. Friedrich II. übertrug 1741 der Loge Aux trois Globes sein königliches Recht, den Logen in Brandenburg-Preußen staatliche und maurerische Legalität durch ein Konstitutionspatent zu verleihen. Sie waren unabhängig von der Großen Loge von England. 3. Die Logen organisierten jene Gruppen und Schichten, die die aufstrebende Großmacht Preußen wirtschaftlich, militärisch, sozial und wissenschaftlich-kulturell trugen. Die Haupt- und Residenzstadt Berlin bündelte diese Wesenszüge. Die unter Mitwirkung des Königs am 13.9.1740 in Berlin gegründete Loge Aux trois Globes (Zu den drei Weltkugeln) war Ausgangspunkt und Zentrum der preußischen Freimaurerei. Die Entwicklung verlief in Berlin wie in Brandenburg-Preußen bis in die siebziger Jahre langsam. Der Siegeszug begann nach dem Siebenjährigen Krieg und den Nachkriegskrisen. In den fünfziger Jahren gab es in Berlin vier Logen, darunter eine Loge französischer Kriegsgefangener. Sie führte die Hochgradmaurerei ein, eine Zäsur. Nun herrschten wechselnde, konkurrierende Hochgradsysteme, die indes auf der allen Freimaurern gemeinsamen Johannismaurerei (Lehrling, Geselle, Meister) beruhten. Die Hochgradsysteme spalteten die Berliner Freimaurer: 1764 in Strikte Observanz (Zu den drei Weltkugeln, Zur Eintracht) und das englische System (Royale York zur Freundschaft), außerdem 1765 die Afrikanischen Bauherrenlogen (bis 1775) und 1770 die Große Landesloge der Freimaurer von Deutschland (Johann Wilhelm v. Zinnendorf), 1768 die unabhängige Andreasloge De la Candeur (bis 1772), 1782 die christlich-jüdische Loge zur Toleranz (bis 1792). Das Edikt wegen der geheimen Verbindungen 1798 erlaubte drei Berliner Mutterlogen (Altpreußische Logen), denen sich alle Logen in Preußen anschließen mussten. 1798 arbeiteten in Berlin sechzehn Logen. Die Berliner Logen organisierten 1740- 1806 etwa 3918 Männer (Vollmitglieder, dienende Brüder), 29,7% aller in Brandenburg-Preußen ermittelten Freimaurer (etwa 13 180). Die Zahl der eingeschriebenen Mitglieder (3767) betrug in der Mutterloge zu den drei Weltkugeln und ihren Filialen 1514, der Royale York de l`Amitié 1107, den Afrikanischen Bauherrenlogen 86, in der Großen Landesloge 969, De la Candeur 66, der Loge zur Toleranz 18, der Loge Graf Schaffgotschs 7 (jeweils ohne dienende Brüder). Die Logen waren Sozietäten des Bürgertums mit einer Minderheit des (in der Regel berufstätigen) niederen Adels. Der bürgerliche Mitgliederanteil lag in den Vereinigten Logen (Zu den drei Weltkugeln) zwischen 50 und 85%, in der Großen Landesloge bei 79% und in der Royale York de l`Amitié bei 84%. Der Staatsapparat, die Verwaltungs- und Justizbeamten (Vereinigte Logen 21-50%, Große Landesloge 30%, Royale York 28%) und das Militär (Vereinigte Logen 13-60%, Große Landesloge 28%, Royale York 12%), dominierte, gefolgt vom Gewerbe (Zum Widder 42%, Loge zur Toleranz 33%, Royale York 30%), der zivilen Intelligenz und den Künstlern (10-20%). Berlin war eine Stadt der Immigranten multiethnisch und -kulturell, tolerant. Die Logen übten eine wichtige Funktion bei der Integration aus. Die Zuwanderer kamen aus der Monarchie (meist Brandenburg, Pommern, Schlesien, Magdeburg-Halberstadt), dem Reich (Sachsen, Thüringen) und dem Ausland (Frankreich, Schweiz, Italien, Kur- und Livland, Polen). In den französischen Logen Royale York war jedes zweite (54 %, davon Frankreich 20%, Italien 4%), Aux trois Seraphim jedes dritte und Pégase jedes fünfte Mitglied Immigrant. Die internationale Mitgliedschaft und das soziale Engagement der Berliner Logen machten sie zu einem öffentlich anerkannten Teil der bürgerlichen Gesellschaft.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Innsbruck - 100%

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