Ein Brandhorizont aus der Zeit der Markomannenkriege
A Burnt Layer from the Marcomannic Wars in Flavia Solva
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (7%); Geowissenschaften (7%); Geschichte, Archäologie (86%)
Keywords
-
Roman Provincial Archaeology,
Marcomannic Wars,
Noricum,
Flavia Solva,
Burnt Layer,
Material Culture
Die Verknüpfung von Daten der Ereignisgeschichte mit archäologischen Befunden bzw. deren Interpretation ist seit den Anfängen der Archäologie der römischen Provinzen ein zentrales Forschungsanliegen. Die Zugehörigkeit der Provinzialrömischen Archäologie zu den Geschichtswissenschaften bzw. historischen Kulturwissenschaften wurde auch in jüngerer Zeit von verschiedenen Seiten bestätigt (R. Fellmann, M. K. H. Eggert). Für die Geschichte der Donauprovinzen bilden die Markomannenkriege (166180 n. Chr.) Marc Aurels eine bedeutende Abfolge überlieferter historischer Ereignisse während der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts n. Chr. Das vorliegende Manuskript ist thematisch den Auswirkungen dieser Kriege und deren Evidenz in archäologischen Quellen gewidmet. Im Zentrum der Untersuchung steht hinsichtlich der historischen Ereignisse der Markomannenkriege die germanische Invasion bis Oberitalien, die vermutlich während des Jahres 170 n. Chr. erfolgte. Bezüglich archäologischer Quellen liegt eine mit diesem Ereignis annähernd kontemporäre Brandschicht (Kap. 12: Chronologie) in der Insula XLI des südostnorischen Munizipiums Flavia Solva im Fokus der Aufmerksamkeit. Der Verknüpfung des angeführten historischen Ereignisses mit den archäologischen Zeugnissen möchte sich die vorliegende Arbeit auf zwei Ebenen annähern. Auf einer ersten konkreten Ebene wird der Brandbefund der Insula XLI vorgestellt und detailliert ausgewertet, um die folgende Nutzung des Befundes als Fallbeispiel für die verschiedenen methodischen Problematiken, die in Zusammenhang mit dem gewählten Thema wirksam werden, auf einer fundierten Basis zu illustrieren. Um eine nachvollziehbare Ausgangslage für diese weiterführenden Überlegungen zu schaffen, ist es notwendig, näher auf den historischen Hintergrund und die diesem zu Grunde liegenden Schriftquellen antiker Autoren einzugehen (Kap. 2: Historischer Kontext) sowie einige der bisher seitens der altertumswissenschaftlichen Forschung erfolgten historischen Interpretationen bezüglich der Auswirkungen der Markomannenkriege, besonders im Zusammenhang mit dem gewählten Fallbeispiel Flavia Solva-Wagna, kritisch zu beleuchten (Kap. 4: Forschungsmeinungen). Eine weitere Voraussetzung zur Auswertung und Interpretation des Befundes ist schließlich die Analyse der Genese der vorliegenden archäologischen Quellen sowohl bezüglich deren Aufbereitung und Gewinnung durch die Archäologie (Kap. 5: Quellenkritik) als auch der Interpretation und Rekonstruktion depositionaler und postdepositionaler Prozesse (Kap. 7: Taphonomie). Erst diese vorbereitenden Überlegungen erlauben die weitere methodisch saubere Auswertung und Interpretation der Befunde (Kap. 9: Die Architektur der Insula XLI und Kap. 10: Definition von Aktivitätszonen) und des Fundmaterials (Kap. 11: Fundauswertung und Kap. 13: Technologie und Werkstätten). Im Rahmen eines detaillierten Kataloges sind alle essenziellen Daten der Funde vermerkt (Kap. 19: Katalog). Damit liegen schließlich die Grundlagen für eine Beurteilung und Darstellung kulturgeschichtlicher Rahmenbedingungen vor (Kap. 14: Der Brandhorizont der Insula XLI im urbanen kulturgeschichtlichen Kontext von Flavia Solva). Ein Vergleich mit Feststellungen, die anlässlich der Verknüpfung von archäologischen Befunden mit den Markomannenkriegen, vor allem für die westlichen Donauprovinzen, getroffen wurden (Kap. 15: Brandzerstörungen aus der Zeit der Markomannenkriege in Noricum, Pannonien und Raetien), illustriert unterschiedliche Bewertungen der Quellenbasis durch die Forschung. Deutlich zeichnen sich methodische Probleme und Unsicherheiten ab, die in Zusammenhang mit den heterogenen Quellen, insbesondere der Verbindung archäologischer Befunde mit historischen Ereignissen, entstehen können. Diese Darstellung will schließlich die erste, vor allem auf das vorliegende Fallbeispiel konzentrierte Interpretationsebene überschreiten und Überlegungen auf einer zweiten, abstrakteren Ebene ermöglichen. Zunächst wird noch weitgehend in Zusammenhang mit der vorliegenden Fallstudie diskutiert, inwiefern die Ergebnisse der Auswertung des archäologischen Befundes mit dem Kontext der Ereignisgeschichte verknüpfbar sind. Ein Katalog von Prämissen, deren Erfüllung oder Nichterfüllung für oder gegen eine derartige Verknüpfung spricht, wird damit gleichzeitig zu einem richtungsweisenden Instrument zur Justierung möglicher Optionen der historischen Deutung (Kap. 16: Diskussion: Ergebnisse und ihr Verhältnis zum historischen Kontext). Im Rahmen eines Ausblicks sollen schließlich die Methoden der Erkenntnis altertumswissenschaftlicher Disziplinen, die im Zusammenhang mit der Zusammenführung von archäologischen Befunden mit der Ereignisgeschichte wirksam werden, näher beleuchtet werden (Kap. 17: Ausblick: Zur Frage der Historizität in der Provinzialrömischen Archäologie). Mit dieser skizzierten differenzierten Herangehensweise an die Thematik soll gewährleistet sein, dass das vorhandene Quellenpotenzial einerseits möglichst vollständig ausgeschöpft wird und andererseits das Fach nicht nur um die Vorlage eines weiteren wichtigen geschlossenen Befundes und dessen Interpretation bereichert wird, sondern darüber hinaus auch einen methodischen Beitrag zur spezifischen und zentralen Fragestellung der Verknüpfung archäologischer Befunde mit der Ereignisgeschichte erfährt.