Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (20%); Sprach- und Literaturwissenschaften (80%)
Keywords
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German Baroque Theatre,
Theories of Diplomacy,
Early Modern Drama Poetics,
The Art of Negotiation,
Cultural History of Diplomacy,
Mediology
Die Studie widmet sich den vielfältigen Beziehungen zwischen der deutschen Dramatik und einer sich professionalisierenden europäischen Diplomatie im 17. und frühen 18. Jahrhundert. Bereits in der italienischen Renaissance findet sich die Praxis permanenter außenpolitischer Vertretung als Eckpfeiler der modernen Diplomatie, doch erst das 17. Jahrhundert etablierte eine für weite Teile Europas verbindliche zwischenstaatliche Kommunikation mittels Gesandtschaften. Gerade der verfassungs- und völkerrechtliche Sonderfall des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation wird während des Dreißigjährigen Krieges und nach dem Westfälischen Frieden zum Praxisfeld der europäischen Diplomatie. Diese Institutionalisierung der Diplomatie ist eng mit der Gelehrtenkultur und dem kulturellen Feld verknüpft. Nicht nur treten Gelehrte und Dichter als Gesandte, Residenten, Sekretäre oder Theoretiker der Diplomatie auf. In einer Epoche, die zur Bekräftigung von Souveränität eine umfassende Theatralisierung politischer und höfischer Kultur vornimmt, werden Drama, Ballett und Oper als Medien des diplomatischen Zeremoniells, der Verhandlung und der Reflexion internationaler Beziehungen lesbar. Ausgehend von der Korrelation von Mikro- und Makrotheater entfaltet das Buch Konfigurationen diplomatischer Praktiken und dramatischer Gattungen: von der Oper als Souveränitätstheater am kaiserlichen Hof über den Zusammenhang von Friedenskongress und Friedensspielen bei Sigmund von Birken u.a., über die schlesischen Trauerspiele Andreas Gryphius, die die Gesandten im post-westfälischen Zusammenhang zu privilegierten Zeugen royaler Martyrien machen, und Daniel Caspers von Lohenstein, dessen afrikanische Dramen als Spielanordnungen diplomatischer Verhandlung gelesen werden, bis zum Ordenstheater der Jesuiten und Benediktiner und dem polygenetischen Zeremonialtheater um 1700. Während sich die Forschung zum deutschen Barocktheater häufig auf politische Theologie und Rechtsdiskurse konzentriert hat, rückt die Studie erstmals praxeologische, performativitäts- und akteurstheoretische Aspekte des Zusammenhangs von Dramatik und Diplomatie in den Blick. Die Dramatik des 17. und frühen 18. Jahrhunderts partizipiert dabei an der Theatralisierung politischer Souveränität, gleichzeitig avancieren Gesandte und diplomatische Konfigurationen zum Reflexionsmodell der eigenen literarischen und theatralen Medialität.