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Die Stimme der Stimmlosen

The Voice of the Voiceless

Alaka Atreya Chudal (ORCID: 0000-0002-7308-7384)
  • Grant-DOI 10.55776/RIC9740024
  • Förderprogramm Elise Richter
  • Status laufend
  • Projektbeginn 08.09.2025
  • Projektende 07.09.2027
  • Bewilligungssumme 231.758 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Andere Geisteswissenschaften (15%); Soziologie (15%); Sprach- und Literaturwissenschaften (70%)

Keywords

    POWs,, Gurkhas, South Asian Soldiers,, Archives, South Asian literary history, South Asian cultural history during the WW1

Abstract

Das Projekt verfolgt einen interdisziplinären Ansatz, um die Erfahrungen und Selbstzeugnisse indischer Kriegsgefangener in deutschen Lagern während des Ersten Weltkriegs zu untersuchen. Im Rahmen der Forschung werden sowohl Tonaufnahmen als auch handschriftliche Materialien in südasiatischen Sprachen analysiert, die zwischen 1915 und 1918 von der Königlich Preußischen Phonographischen Kommission produziert wurden und gegenwärtig im Lautarhchiv der Humboldt- Universität zu Berlin sowie im Archiv der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften verwahrt werden. Ziel ist es, eine soziologische, kulturelle, historische, anthropologische und literarische Untersuchung der Quellen im Kontext ihrer Zeit durchzuführen, um deren Platz in der Kultur- und Geistesgeschichte Südasiens während des Krieges zu würdigen. Die Stellung der südasiatischen Kriegsgefangenen in Deutschland soll dabei verstanden und mit den historischen Entwicklungen in ihrer Heimat in Verbindung gebracht werden. Zu Beginn werden die Texte der Kriegsgefangenen mehrfach angehört, transkribiert und übersetzt, um sie für die Analyse vorzubereiten. In der zweiten Phase wird eine verschieden Methoden angewandt, die im Wesentlichen drei kritische Ansätze umfassen: (1) Detailliertes Lesen der Texte aus den Kriegsgefangenenlagern in Verbindung mit Sanskrit und zeitgenössischer Nepali-, Hindi-, Bangla- und Urdu-Literatur aus der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts, sowohl in gedruckter als auch in mündlicher Form. (2) Darauf aufbauend wird untersucht, inwieweit die Hypothese zutrifft, dass Kriegsgefangene, die zum Großteil über keine formale Bildung verfügten, sowohl als Konsumenten als auch als Übermittler von mündlichen und gedruckten Texten fungierten. Damit einhergehend wird erörtert, inwiefern sie einen Einfluss auf die Kultur- und Geistesgeschichte der Region hatten. (3) Mittels einer detaillierten Analyse der aufgezeichneten Stimmen und der handschriftlichen Texte beabsichtigt das Projekt, verdrängte Aspekte des Schmerzes und der Erinnerungen der Gefangenen sowie die sozialen, kulturellen und sprachlichen Landschaften, in denen sie vor dem Krieg lebten, wieder in den Fokus der Betrachtung zu rücken. In der Analyse wird das Zusammenspiel zwischen Primärquellen und breiteren kulturellen Phänomenen untersucht, indem die Verbindung zwischen Tonaufnahmen, handschriftlichen Materialien, gedruckten Büchern und populären kulturellen Praktiken hergestellt werden. In dem Forschungsprojekt werden diese Quellen mit den literarischen Traditionen Südasiens in Verbindung gebracht, um die Hypothese zu überprüfen, dass die Aufzeichnungen der Soldaten nicht nur von ihren kommunalen Bräuchen, kulturellen Aktivitäten und mündlichen Traditionen beeinflusst wurden, sondern auch von der blühenden Druckkultur und dem kulturellen Elitemilieu des indischen Subkontinents. Diese Analyse wird in die intellektuelle Geschichte Südasiens eingebettet, mit besonderem Augenmerk auf Druckkapitalismus, Kulturimperialismus und kulturelle Hegemonie. So entsteht ein überzeugendes Bild von Indien und Nepal vor der Partition. Dieses Projekt verfolgt zwei Ziele: Einerseits wird der Frage nachgegangen, auf welche Weise Themen wie Gefangenschaft, Isolation, Ungewissheit, Identität, Erinnerung und Widerstand vermittelt werden. Andererseits werden die Maßnahmen untersucht, die Kriegsgefangene ergriffen haben, um ihren Sinn für Identität, Gemeinschaft und Handlungsfähigkeit aufrechtzuerhalten, d.h. um sich an die Bedingungen der Gefangenschaft anzupassen. Auch wird die Studie den Einfluss von Geschlecht, Ethnie und Klasse auf die Erzählungen der Gefangenen und die Artikulation ihrer Kultur untersucht.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%

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