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Hinter dem Kunstwerk

Behind the Artwork. Thinking Art Against the Cold War’s Bloc

Katalin Cseh-Varga (ORCID: 0000-0002-4422-7966)
  • Grant-DOI 10.55776/T1074
  • Förderprogramm Hertha Firnberg
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.04.2019
  • Projektende 28.02.2025
  • Bewilligungssumme 234.210 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Andere Geisteswissenschaften (20%); Geschichte, Archäologie (25%); Kunstwissenschaften (55%)

Keywords

    Cultural Transfer, Cold War, East-Central-European art, Intellectual History, Thinking Art In Late Socialism, Contact Zones

Abstract Endbericht

Wie konnten Künstler_innen und Kunsttheoretiker_innen der zeitgenössischen Kunst Mitteleuropas mit den dominanten intellektuellen Strömungen des Kalten Krieges umgehen, wie konnten sie diese verarbeiten? Das geplante Forschungsprojekt stellt die erste umfangreiche Untersuchung der Zirkulation von Ideen innerhalb und außerhalb der Grenzen des Eisernen Vorhangs dar, welche sich mit der Rekonstruktion der komplexen Produktion von Kunst zwischen 1956 und 1989 beschäftigt. Bedeutende Persönlichkeiten der Kunstkritik und der Kunstgeschichte wie zum Beispiel Éva Körner, setzten sich zum Beispiel intensiv mit dem Strukturalismus und der Semiotik auseinander. In diesem Kontext wurde und wird debattiert, wie sich Manifestationen der menschlichen Kultur in Beziehung zu einem größeren, übergreifenden System verhielten und welche ästhetische Form die Aufarbeitung von Zeichen- und Kommunikationsprozessen annahm. Zugleich ließen sich diese Persönlichkeiten vom zeitgleich aufkommenden Kult des Readymades, vom geistigen Horizont Ludwig Wittgensteins und der Minimal Art im Ungarn der 70er Jahre inspirieren. Ähnlich verhielt es sich mit der intellektuellen Verfasstheit von zeitgenössischen Künstler_innen. So konnten Dra Maurer und Anna Kutera beispielsweise in den Westen reisen und ästhetische Ideen sowohl importieren als auch exportieren, wodurch die durch den Eisernen Vorhang bedingte und verkörperte ideologische Isolation aufgeweicht wurde. Das vorliegende Projekt möchte die Rolle von Vermittler_innen, Trends in der Philosophie und Stationen von reisenden Ideen in der Tschechoslowakei, in Polen, Rumänien und Ungarn untersuchen. Dabei handelt es sich um Faktoren, die die Kunstproduktion als intellektuellen Prozess im Spätsozialismus beeinflusst haben und in eine kritische Analyse der gespaltenen Blöcke eingebettet sind. Figuren der Kunsttheorie und Künstler_innen selbst nahmen verschiedene philosophische Denkrichtungen und Konzepte auf, übersetzten und verbreiteten sie. Solche reisenden Ideen resultierten in Diskussionen, Publikationen, Veranstaltungen und Kunstwerke. Enstprechend sollen die drei Faktoren, welche die zeitgenössische Kunstproduktion und das Denken über Kunst formten, im Hinblick auf ihren lokalen und regionalen Einfluss analysiert werden. Der jeweilige Kontext und jede Variante der Übertragung werden dabei mithilfe von Oral-History- Interviews, Archivarbeit und der Diskursanalyse einer multiperspektivischen Untersuchung unterzogen. In diesem Zusammenhang erscheinen Juliane Debeusschers Anwendung des kulturtheoretischen Begriffs der Kontaktzone und Kornelia Slavovas Ausformulierung der Idee der kulturellen Übersetzung als zentrale Konzepte der Konstitution sowie Analyse des Denkens über Kunst, welche die Bipolarität des Kalten Krieges herausfordern. Beide Konzepte verknüpfen Informationen, Wissen, Transfers und ihre materiellen Träger auf eine erdenklich komplexe Weise, die meines Erachtens in der Lage ist, eine möglichst adäquate Kulturgeschichte von real existierenden Sozialismen zu begründen. Im Unterschied zum einseitigen Fokus auf die Untersuchung des Kunstobjekts, liegt der Kern des Forschungsprojekts im Akt der Übertragung als ein kritisches Faktum und Werkzeug der Geschichtsschreibung. Diese Betrachtung öffnet die Diskussion hin zu Theorien und Methoden, die sich nicht zuletzt auch in der zeitgenössischen digitalen Kulturwissenschaft (Stichwort Netzwerkbildung) wiederfinden.

Wie konnten die Künstler*innen Mitteleuropas mit den dominanten intellektuellen Strömungen des Europas des Kalten Krieges umgehen, diese verarbeiten? Das Forschungsprojekt stellt die erste umfangreiche Untersuchung der Zirkulation von Ideen in der Kunstlandschaft innerhalb und außerhalb der künstlichen Grenzen des Eisernen Vorhangs dar, welche sich mit der Rekonstruktion der komplexen Produktion von Kunst in der Zeit zwischen 1963 und 1990 beschäftigt. Persönlichkeiten wie "Kunstvermittler" Lszl Beke, setzten sich mit der Methodologie auseinander, die Bestandteile der menschlichen Kultur in der Beziehung zu einem größeren, übergreifenden System untersucht und modifizierte diese, genauso wie er sich der Aufarbeitung von Zeichenprozessen und Kommunikation widmete - beide gingen Hand in Hand mit dem aufkommenden Marcel Duchamp-Kult im Ungarn der 70er Jahre. Progressive Künstler_innen, wie Dra Maurer und Milan Knžak konnten in den "Westen" reisen und importierten/exportierten Ideen so, dass sie die ideologische Isolation des Eisernen Vorhangs hinterfragten. Unter Berücksichtigung der geopolitischen Gebiete der Tschechoslowakei, Ungarns, Polens und Rumäniens, untersuchte das Projekt die Rolle von Vermittler*innen, Trends in der Philosophie und Formen der diskursiven Manifestation, die in eine kritische Analyse der gespaltenen Blöcke eingebettet ist, welche die intellektuelle Kunstproduktion im Spätsozialismus beeinflusst haben. Alle drei Faktoren der Untersuchung hingen oft miteinander zusammen: dominante Persönlichkeiten der Kunst in Demokratien sowjetischen Typs waren Networker und Vermittler*innen von Philosophien, die wiederum Künstler*innen inspirierten mit intellektuellen Trends in Berührung zu kommen und eigene Strategien der Vernetzung und Wissensproduktion zu entwickeln, die jeder physikalischen und mentalen Grenze widersprachen. Die drei Faktoren - Vermittler*innen, Philosophien und intellektuelle Manifestationen - die die zeitgenössische Kunstproduktion und das Denken über Kunst beeinflussten, wurden in Hinblick auf ihren lokalen, regionalen Einfluss analysiert, wobei jeder Paradox und jede Übertragung, mit Methoden des Oral History Interviews, Archivarbeit und der Diskursanalyse, multiperspektivisch untersucht wurde. Die Idee der Übertragung ist zentral für die Konstitution einer intellektuellen Kunstgeschichte welche die Bipolarität des Kalten Krieges hinterfragt. Übertragung bringt Information, Wissen und seine materiellen Träger zusammen, um einen Gegennarrativ zu schaffen, das Homogenität in der Kulturgeschichte von real existierenden Sozialismen herausfordert. Die Untersuchung des Kunstobjekts hinterlassend, soll die zentrale Frage des Forschungsprojekts, nämlich der Akt der Übertragung als ein kritischer Fakt und Werkzeug der Geschichtsschreibung, zu Theorien und Methoden öffnen, die sich in der zeitgenössischen digitalen Kulturwissenschaft wiederfinden.

Forschungsstätte(n)
  • Akademie der bildenden Künste Wien - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Beata Hock, Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa (GWZO) - Deutschland
  • David Crowley, Royal College of Art - Vereinigtes Königreich

Research Output

  • 8 Publikationen
  • 5 Wissenschaftliche Auszeichnungen
Publikationen
  • 2025
    Titel Anti-Atlas: Critical area studies from the East of the West
    DOI 10.14324/111.9781800087811
    Typ Book
    Verlag UCL Press
  • 2022
    Titel Temptations of Actuality; In: Notions of Temporalities in Artistic Practice
    DOI 10.1515/9783110720921-003
    Typ Book Chapter
    Verlag De Gruyter
  • 2023
    Titel Immaterial Countercartographies. Approaches to the Conceptual Art of Gbor Attalai; In: Charting Space: The cartographies of conceptual art
    Typ Book Chapter
    Autor Katalin Cseh-Varga
    Verlag Manchester University Press
    Seiten 77-98
    Link Publikation
  • 2023
    Titel Language Paths: Methods for a New Cultural Geography of (East-Central) Europe
    Typ Journal Article
    Autor Katalin Cseh-Varga
    Journal The Notebook for Art, Theory and Related Zones
    Seiten 12-40
    Link Publikation
  • 2024
    Titel Constructing Czechoslovak and Hungarian performance art history : guardians and narrative shifts
    DOI 10.5817/aec2024-4-2
    Typ Journal Article
    Autor Cseh-Varga K
    Journal Art East Central
  • 2024
    Titel Histories of decentral art history during the Cold War
    DOI 10.5817/aec2024-4-9
    Typ Journal Article
    Autor Cseh-Varga K
    Journal Art East Central
  • 2021
    Titel The Mental Foundation of the Archive
    Typ Journal Article
    Autor Katalin Cseh-Varga
    Journal Unpaged. How to Revisit History from a Plural Perspective?
    Link Publikation
  • 2020
    Titel Eastern European Art Histories of Interconnectedness (Book Review)
    Typ Journal Article
    Autor Katalin Cseh-Varga
    Journal Art Journal
    Seiten 119-121
Wissenschaftliche Auszeichnungen
  • 2024
    Titel Keynote Speaker at Södertörn University
    Typ Personally asked as a key note speaker to a conference
    Bekanntheitsgrad Continental/International
  • 2024
    Titel Associate Editor of the Hungarian Studies Review
    Typ Appointed as the editor/advisor to a journal or book series
    Bekanntheitsgrad Continental/International
  • 2023
    Titel Panel Member of the European Research Council
    Typ Prestigious/honorary/advisory position to an external body
    Bekanntheitsgrad Continental/International
  • 2022
    Titel Keynote Speaker at the Comenius University
    Typ Personally asked as a key note speaker to a conference
    Bekanntheitsgrad Continental/International
  • 2020
    Titel Visiting Professor Art History of Eastern Europe
    Typ Prestigious/honorary/advisory position to an external body
    Bekanntheitsgrad Continental/International

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