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Visualisierung migrantischer Lebenswelten

Picturing Migrants´ Lives

Vida Bakondy (ORCID: 0000-0002-9172-7955)
  • Grant-DOI 10.55776/T1083
  • Förderprogramm Hertha Firnberg
  • Status beendet
  • Projektbeginn 13.01.2020
  • Projektende 12.08.2025
  • Bewilligungssumme 239.010 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Andere Geisteswissenschaften (60%); Geschichte, Archäologie (40%)

Keywords

    Photography, Labour Migration, Everyday Life, Migrant Perspective, Digital Collection, Yugoslavia/Austria

Abstract Endbericht

Das Forschungsprojekt nimmt fotografische Repräsentationen der jugoslawischen Arbeitsmigration im Österreich der 1970er und 1980er Jahre in den Blick. Damit schließt es eine evidente Forschungslücke im österreichischen Kontext, da die Bildwelten, die diese Geschichte hervorgebracht hat, bis heute weder wissenschaftlich untersucht noch fotografische Quellen zum Thema systematisch aufgearbeitet wurden. Ausgangspunkt der Untersuchung bildet die erstmalige Bearbeitung des fotografischen Nachlasses des jugoslawischen Fotografen Jovan Ritopecki (1923-1989), der 1966 von Belgrad nach Wien eingewandert war und sich zu Beginn der 1970er Jahre als Pressefotograf selbstständig machte. Untersucht wird, wie die jugoslawische Migration in seinen Fotografien visualisiert und durch die zeitgenössischen gesellschaftlichen Kontexte sowie Verwendungsweisen geprägt wurde. Der Nachlass stellt dafür eine reiche Quellenbasis dar: Ritopecki dokumentierte wie kein anderer Fotograf in Österreich über eine Zeitspanne von 20 Jahren die Lebensverhältnisse jugoslawischer Migrant_innen. Eine daran anknüpfende Ausgangshypothese lautet, dass Ritopeckis Fotografien aufgrund der sozialen Positionierung des Fotografen, seiner umfangreichen fotografischen Produktion und der Gebrauchs- und Verwendungsweisen seiner Fotografien Einblicke in bisher kaum beachtete Dimensionen des sozialen Lebens und Alltags von jugoslawischen Arbeitsmigrant_innen geben und so eine Perspektivenverschiebung auf die Geschichte der jugoslawischen Migration nach Österreich ermöglichen. Für die Bildanalyse wird auf die Methode der seriell-ikonografischen Fotoanalyse zurückgegriffen. Anhand der Untersuchung zentraler Themen und Motive im historischen Längsschnitt sollen die Dominanten und historischen Veränderungen und Verschiebungen in der fotografischen Arbeit Ritopeckis festgestellt sowie ihre Wechselbeziehung zu gesellschaftlichen Entwicklungen nachgezeichnet werden. Von Interesse ist, inwiefern Ritopeckis Fotografien auch als sozialkritische Reflexion der Lebensverhältnisse jugoslawischer Migrant_innen in Österreich lesbar gemacht werden können. Weitere Analyseebenen betreffen genderspezifischen Aspekte der Repräsentation, die transkulturelle und translokale Dimension seiner Bildproduktion sowie Fragen zur identitäts- und gemeinschaftsstiftenden Dimension von Ritopeckis Fotografien für die Selbstverortung und -repräsentation jugoslawischer Migrant_innen in Österreich. Anhand der Fallstudie sollen neue Bildquellen der Forschung und Öffentlichkeit verfügbar gemacht werden. Einen integralen Bestandteil des Projektes stellt die Digitalisierung und öffentliche Präsentation eines repräsentativen Bestandes aus dem Fotonachlass Ritopecki im virtuellen Visual Archive Southeastern Europe (VASE https://gams.uni-graz.at/context:vase) dar. Die digitale Sammlung wird in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Informationsmodellierung Austrian Centre for Digital Humanities an der Karl-Franzens- Universität Graz entwickelt.

Das Forschungsprojekt nahm fotografische Repräsentationen der jugoslawischen Arbeitsmigration im Österreich der 1970er und 1980er Jahre in den Blick. Damit schloß es eine evidente Forschungslücke im österreichischen Kontext, da die Bildwelten, die diese Geschichte hervorgebracht hat, bis heute weder wissenschaftlich untersucht noch fotografische Quellen zum Thema systematisch aufgearbeitet wurden. Ausgangspunkt der Untersuchung bildete die erstmalige Bearbeitung des fotografischen Nachlasses des jugoslawischen Fotografen Jovan Ritopečki (1923-1989), der 1966 von Belgrad nach Wien eingewandert war und sich zu Beginn der 1970er Jahre als Pressefotograf selbstständig machte. Im Zentrum stand die Frage, wie jugoslawische Migrantinnen und Migranten in Österreich fotografisch dargestellt wurden und welche gesellschaftlichen Zusammenhänge und Nutzungsformen sich darin spiegeln. Zugleich untersuchte das Projekt, welche Rolle diese Bilder für Selbstbild, Sichtbarkeit und Zugehörigkeit der Community spielten. Damit wurde aufgezeigt, welche Bedeutung Fotografie für Selbstrepräsentation und Identitätsbildung in Migrationszusammenhängen haben kann. Aus Ritopečkis Nachlass wurden rund 4.500 Negative und 155 Serien gesichtet, digitalisiert und ausgewertet, vor allem aus den 1970er-Jahren, seiner produktivsten Phase als transnationaler Pressefotograf. Anhand von zusätzlichen Quellen ließen sich Publikations- und Nutzungskontexte einer repräsentativen Auswahl an Fotografien rekonstruieren: Es wurde nachvollzogen, welche Aufnahmen ausgewählt, bearbeitet und veröffentlicht wurden und wie sich ihre Bedeutung je nach Medium und Verwendung änderte. So wurde nachvollziehbar, wie spezifische Formen visueller Öffentlichkeiten innerhalb der migrantischen Öffentlichkeit gezielt hergestellt wurden. Ritopečki war selbst Mitglied der jugoslawischen Community in Wien und verfügte über sprachliche, kulturelle und soziale Zugänge, die österreichischen Fotojournalisten weitgehend verschlossen blieben. Seine Bilder wurden in Medien für jugoslawische Migrantinnen und Migranten veröffentlicht, von Vereinen und Einzelpersonen gekauft und innerhalb der Community weitergegeben, wodurch sie zur wichtigen Referenz für das Selbstbild der Gruppe wurden. Seine fotografische Dokumentation stärkte Gemeinschaftsgefühl und Zusammenhalt, verlieh migrantischem Alltag öffentliche Sichtbarkeit und wirkt bis heute in Ausstellungen, Chroniken und Erinnerungsprojekten nach. Eine repräsentative Auswahl von 103 Fotoserien wurde für das digitale Bildrepositorium VISMIG (https://gams.uni-graz.at/vismig) aufbereitet, thematisch erschlossen und zugänglich gemacht. VISMIG entstand in Zusammenarbeit mit dem Institut für Digitale Geisteswissenschaften der Universität Graz und ist Teil der Online-Bildplattform VASE - Visual Archive Southeastern Europe (https://gams.uni-graz.at/context:vase). Damit stehen zentrale Bestände zur Geschichte der jugoslawischen Arbeitsmigration in Österreich langfristig für Forschung, Bildung und eine breitere Öffentlichkeit zur Verfügung.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Graz - 10%
  • Österreichische Akademie der Wissenschaften - 90%
Nationale Projektbeteiligte
  • Martina Scholger, Universität Graz , assoziierte:r Forschungspartner:in
Internationale Projektbeteiligte
  • Gil Pasternak, De Montfort University Leicester - Vereinigtes Königreich

Research Output

  • 3 Publikationen
  • 1 Künstlerischer Output
  • 1 Datasets & Models
  • 8 Disseminationen
  • 2 Weitere Förderungen
Publikationen
  • 2024
    Titel Ein Fotoarchiv der Migration. Jovan Ritopečkis Dokumentation der jugoslawischen Arbeitsmigration
    DOI 10.5771/0720-5260-2024-174-52
    Typ Journal Article
    Autor Bakondy V
    Journal FOTOGESCHICHTE
  • 2024
    Titel On the Margins: Jovan Ritopečki's Photographs of Migrant Housing in 1970s Vienna
    DOI 10.48439/zmf.244
    Typ Other
    Autor Bakondy V
    Link Publikation
  • 2024
    Titel An Album for Tito. Belonging, Transnational Unity, and Social Critique in a Photo Album by the Yugoslav Worker's Club Jedinstvo Vienna
    DOI 10.25364/02.11:2024.2.2
    Typ Other
    Autor Bakondy V
    Link Publikation
Künstlerischer Output
  • 2024 Link
    Titel Die anderen Bilder. Fotografische Spuren der Minderheitengeschichte. Schwerpunktausgabe der Zeitschrift Stimme der Initiative Minderheiten 133/2024
    Typ Creative Writing
    Link Link
Datasets & Models
  • 2025 Link
    Titel Image repository VISMIG. It provides a glimpse into Jovan Ritopečki's photography concerning Yugoslav migrant workers. Series of negatives as well as a selection of analog prints present Ritopečki's photographic estate in a thematic and historic context.
    Typ Database/Collection of data
    Öffentlich zugänglich
    Link Link
Disseminationen
  • 2023
    Titel Conception of the interactive workshop together with Robert Pichler: "Photography as a Medium, Method and Object in Historical-Anthropological Research of the Balkans" in the frame of the 61. International Academic Week 2023 "Wind of Change? Academic and Artistic Perspectives on Experiences of Change in Southeast Europe" , organized by the Südosteuropa-Gesellschaft in Tutzing/Germany
    Typ A formal working group, expert panel or dialogue
  • 2025 Link
    Titel Contribution to Balkanblog on DerStandard.at: Jovan Ritopečkis Fotografien der jugoslawischen Arbeitsmigration Ein fotografischer Blick, der migrantisches Leben in Österreich nah und solidarisch sichtbar macht
    Typ Engagement focused website, blog or social media channel
    Link Link
  • 2023 Link
    Titel Interview with the FWF Scilog Department: Arbeitsmigration in einfühlsamen Bilddokumenten
    Typ A press release, press conference or response to a media enquiry/interview
    Link Link
  • 2025 Link
    Titel BACK TO THE 80IES: 3.500 BILDER ZEIGEN JUGOSLAWISCHE MIGRATION NACH ÖSTERREICH
    Typ A press release, press conference or response to a media enquiry/interview
    Link Link
  • 2020 Link
    Titel ÖAW Science Bites: Was erzählen Fotos von jugoslawischen Arbeitsmigrant*innen in Österreich
    Typ A broadcast e.g. TV/radio/film/podcast (other than news/press)
    Link Link
  • 2023 Link
    Titel Media report: https://www.sn.at/panorama/medien/forscherin-blick-fotos-gastarbeiter-alltag-150317362
    Typ A press release, press conference or response to a media enquiry/interview
    Link Link
  • 2025
    Titel Expert Talk Who Remembers? Who Preserves? Civil Society Records in the Archival Process
    Typ A formal working group, expert panel or dialogue
  • 2025 Link
    Titel Photography research with image databases.
    Typ A formal working group, expert panel or dialogue
    Link Link
Weitere Förderungen
  • 2024
    Titel Academy Exchange Programme (Akademieaustausch), Austrian Academy of Sciences with the Academy of Sciences and Art in Bosnia and Herzegovina
    Typ Travel/small personal
    Förderbeginn 2024
    Geldgeber Austrian Academy of Sciences
  • 2024
    Titel Academy Exchange Programme (Akademieaustausch), Austrian Academy of Sciences with the Serbian Academy of Sciences and Arts in Belgrade
    Typ Travel/small personal
    Förderbeginn 2024
    Geldgeber Austrian Academy of Sciences

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