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Habsburgische Feldsanität und die Türkenkriege des 18. Jh.

Habsburg Battlefield Medicine in 18th Century

Sabine Jesner (ORCID: 0000-0002-3750-4726)
  • Grant-DOI 10.55776/T1108
  • Förderprogramm Hertha Firnberg
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.09.2019
  • Projektende 31.10.2023
  • Bewilligungssumme 239.010 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Andere Humanmedizin, Gesundheitswissenschaften (30%); Geschichte, Archäologie (70%)

Keywords

    Southeastern Europe, 18th Century, Ottoman Wars, Habsburg Monarchy, Battlefield Medicine

Abstract Endbericht

Die konfliktreiche Beziehung zwischen dem Osmanischen Reich und der Habsburger Monarchie ist bekannt und facettenreich dokumentiert. Die Interessenunterschiede spiegeln sich in einer Reihe von militärischen Konflikten, um die religiöse und territoriale Vorherrschaft im südöstlichen Europa. Üblicherweise werden die Türkenkriege mit außergewöhnlicher Gewalt, Leid und Tod in Verbindung gebracht. Krieg bringt jedoch nicht nur Tod, sondern ebenfalls Krankheit und Verletzung. Gleichermaßen sind Hunger und Epidemien stetige Begleiter kriegerischer Konflikte. Dieses Projekt widmet sich auf der Grundlage der drei Türkenkriege 17161718, 17361739 und 17871791 der Untersuchung der Habsburgischen Feldsanität während des 18. Jahrhunderts. Erstmalig wird untersucht, wie die Habsburger Monarchie die medizinische Versorgung von Soldaten im Feld organisierte. Zudem bietet die Studie einen neuen Zugang, um das Schlachtfeld als multidimensionales System aus zusammenhängenden Prozessen zu begreifen. Die Studie analysiert die Rolle von medizinischen und militärischen Akteuren. Bezüglich der Feldscherer und Ärzte wird gefragt wie und ob medizinisches Fachpersonal ihr neu errungenes Wissen bezüglich neuer medizinischer Techniken und Heilung nach dem Krieg verwertet haben. Auf Grundlage der amtlichen Kommunikation vom Schlachtfeld und durch persönliche Berichte von militärischen Akteuren zielt das Projekt darauf ab, deren Kriegserfahrungen in Bezug auf Krankheit, Verletzung und Invalidität zu erfassen. Es wird gefragt ob und wie führendes Militärpersonal ihre Emotionen und Wahrnehmungen im Kontext von stetigem Leid und Schmerz unter den Habsburgischen aber auch gegnerischen Kriegsopfern zum Ausdruck gebracht hat. Zusätzlich bietet die Studie neue Erkenntnisse bezüglich der Organisation der Feldspitäler, Facetten des Krankheitsmanagements im Feld, die Gewährleistung von Hygiene, Beerdigungspraktiken oder die Unterstützung von Invaliden. Das Projekt beruht auf der Auswertung von unpubliziertem Quellenmaterial. Dieses Material besteht aus kaiserlichen Dekreten und Instruktionen, Verträgen, Militärkarten, Malereien, Architektur- und Bauplänen, Marschplänen, offiziellen Briefen und amtlicher Korrespondenz, Musterlisten sowie Berichten, Lehrbüchern, Tagebüchern und Exerzierreglements. Die Studie befruchtet die Militärgeschichtsschreibung gleichermaßen wie die Geschichte der Medizin als auch die Imperiengeschichte. Ferner erhält das interdisziplinäre Feld der men`s studies neue Impulse. Das Projekt stellt einen weiteren Baustein in der Untersuchung militärmedizinischer Fragen des 18. Jahrhunderts auf europäischer Ebene dar, welches über die Habsburgische Einflusssphäre hinaus von Interesse ist.

Das Projekt untersucht die militärmedizinischen Entwicklungen innerhalb der Habsburger Monarchie im 18. Jahrhundert. Dabei dienen die drei habsburgisch-osmanischen Kriege (1716-1718, 1736-1739 und 1787-1791) als Fallstudien. Das Projekt eröffnet ein neues Verständnis für die Komplexität des Zusammenspiels von Militärverwaltung, medizinischer Versorgung und der am Krieg beteiligten Bevölkerung. Es zeigt, wie die Militärmedizin ihre Leistungsfähigkeit vor dem Hintergrund eines sich verfestigenden Staatsbildungsprozesses ausbaute. Durch die Berücksichtigung der Folgen eines Krieges werden neue Erkenntnisse gewonnen, die zu einem erweiterten Verständnis von "Fürsorge" für Kriegsteilnehmer beitragen. Das Projekt nutzt den "medizinischen Raum" als Analysekategorie und bezieht die Kriegsregionen als wichtige Stütze der medizinischen Versorgung mit ein, was neue Einblicke in das Management medizinischer Infrastrukturen ermöglicht. Die unheilvolle Verflechtung von "Medizin" und "Krieg" hatte tödliche Konsequenzen für militärische und zivile Gesellschaften. Dies hatte zur Folge, dass sich die Bereitschaft des frühneuzeitlichen Staates zur Entwicklung neuer Strategien zur Optimierung des militärmedizinischen Gesundheitssystem steigerte. Insbesondere die ständige Bedrohung durch Infektionskrankheiten oder Geschlechtskrankheiten zwangen die Monarchie zum Handeln. Das Projekt analysiert wie der Wiener Hof, ausgehend von den medizinischen Bedürfnissen des stehenden Heeres, neue Formen der medizinischen Versorgung entwickelte. Als bedeutsame Entwicklung kann die Etablierung der Idee der "Prävention" angeführt werden. Prophylaktische Konzepte - wie die Praxis der Quarantäne und Isolation, die bis heute als gewichtige medizinische Techniken gelten, Luftventilation oder gesunde Ernährung - werden als neue Ansätze einer Problematisierung militär-medizinischer Fragen im Kontext einer staatlichen Verantwortung thematisiert. Daraus leitet sich eine neue Herangehensweise und Bewertung von Gesundheitsfragen ab, die den Weg für eine konsequente Weiterentwicklungen dessen ebnete, was heute gemeinhin als Public Health bezeichnet wird. Die Projektergebnisse erweitern unser Wissen über die Bandbreite der Gesundheitsversorgung im 18. Jahrhundert und die Entwicklung der Sozialfürsorge in der Habsburger Monarchie. Das Projekt befruchtet das noch jungen Feld der "Health Humanities" und setzt neue Akzente zur Erforschung der Geschichte der Militärfürsorge und des öffentlichen Gesundheitswesens.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Graz - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Martin Dinges, Robert-Bosch-Stiftung - Deutschland

Research Output

  • 7 Zitationen
  • 8 Publikationen
  • 1 Wissenschaftliche Auszeichnungen
Publikationen
  • 2023
    Titel Beyond the Battlefield: Reconsidering Warfare in Early Modern Europe
    Typ Book
    Autor Helfferich Tryntje
    Verlag Taylor & Francis Ltd
  • 2022
    Titel Clerks, Guards and Physicians: Imperial Staff and the Implementation of Border Security Concepts within the Transylvanian Military Border; In: Borders and Mobility Control in and between Empires and Nation-States
    DOI 10.1163/9789004520844_006
    Typ Book Chapter
    Verlag BRILL
  • 2022
    Titel Recruiting and Networking Strategies; In: Elites, Groups, and Networks in East-Central and South-East Europe in the Long 19th Century
    DOI 10.30965/9783657795215_003
    Typ Book Chapter
    Verlag Brill | Schöningh
  • 2021
    Titel Medicalising borders, Selection, containment and quarantine since 1800
    DOI 10.7765/9781526154675
    Typ Book
    editors Trubeta S, Promitzer C, Weindling P
    Verlag Manchester University Press
  • 2020
    Titel Die Personalfrage in Neuen Provinzen: Das Banat Im Regionalen Vergleich
    Typ Book
    Autor Jesner Sabine
    Verlag Franz Steiner Verlag Wiesbaden GmbH
  • 2020
    Titel Bildungspraktiken der Aufklärung / Education practices of the Enlightenment, Journal für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa (JKGE) / Journal for Culture and History of the Germans in Eastern Europe
    DOI 10.1515/9783110671827
    Typ Book
    editors Pasewalck S, Weber M
    Verlag De Gruyter
    Link Publikation
  • 2020
    Titel Amtskommunikation und Personalwesen im habsburgischen Banat (1716-1740)
    DOI 10.1515/9783110670561-012
    Typ Book Chapter
    Autor Jesner S
    Verlag De Gruyter
    Seiten 251-268
  • 2019
    Titel The World of Work in the Habsburg Banat (1716–51/53): Early Concepts of State-Based Social and Healthcare Schemes for Imperial Staff and Relatives
    DOI 10.1017/s0067237819000055
    Typ Journal Article
    Autor Jesner S
    Journal Austrian History Yearbook
    Seiten 58-77
Wissenschaftliche Auszeichnungen
  • 2020
    Titel Mannagetta-Preis für die Geschichte der Medizin
    Typ Research prize
    Bekanntheitsgrad National (any country)

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