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Language in Motion

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Julia Sonnleitner (ORCID: 0000-0002-9971-3937)
  • Grant-DOI 10.55776/T1148
  • Förderprogramm Hertha Firnberg
  • Status beendet
  • Projektbeginn 30.03.2020
  • Projektende 29.10.2023
  • Bewilligungssumme 239.010 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Soziologie (20%); Sprach- und Literaturwissenschaften (80%)

Keywords

    Linguistic Repertoire, Media Biography, Mediality, Mobility, Multilingualism, Embodiment

Abstract Endbericht

Vor dem Hintergrund sich wandelnder Kommunikationstechnologien stellt sich die Frage, wie bestehende und neue Medien im Laufe einer Biografie genutzt und bewertet werden. Alltagsgegenstände der Kommunikation und Information können zu Objekten werden, die uns an vergangene Zeiten und möglicherweise auch an andere Orte erinnern: ein Gameboy aus den 1990ern, eine jugoslawische Fernsehserie aus den 1970ern, ein Kinderbuch in kyrillischer Schrift, eine Telefonzelle, der erste Computer, den die Familie besaß usw. Biografien von Menschen, die im Laufe ihres Lebens vor Krieg fliehen mussten und in einem anderen Land Schutz suchten, werfen besonders die Bedeutung von Mehrsprachigkeit auf: welche Rolle spielten Medien, um sich in einer neuen sprachlichen Umgebung zurecht zu finden, Kontakte aufrecht zu erhalten und herzustellen oder ein Gefühl von Kontinuität und Zugehörigkeit zu entwickeln? Im Zentrum des Interesses steht jene Generation, die als Kinder oder Jugendliche vor dem Krieg in Jugoslawien in den 1990er Jahren flohen. Ihnen wurde ein Übermaß an Bekenntnis zu nationalen und sprachlichen Zugehörigkeiten abverlangt, sowohl von Seiten des Aufnahmelandes als auch der neu entstandenen Nationalstaaten auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawien. Vor dem Hintergrund, dass Angehörige dieser Zielgruppe einem starken Druck bei der Aneignung von Teilen ihres sprachlichen Repertoires ausgesetzt waren, wie werden Medien rückblickend von ihnen bewertet? Welche Handlungsspielräume wurden durch Medien eröffnet oder eingeschränkt? Mehrsprachigkeit wird in diesem Projekt als sprachliches Repertoire begriffen, nämlich die Gesamtheit aller kommunikativen Mittel, die einer Person zur Verfügung stehen. Diese sprachlichen Mittel werden mit bestimmten Situationen, Orten und Personen verbunden, die wir erlebt haben, sodass wir zu ihnen eine emotionale Einstellung haben. Der Fokus auf Medien lenkt die Aufmerksamkeit nun auf das Material, an das Sprache gebunden ist: Schallwellen, Papier, Haut, Stein, ein Display usw. Meist ist die Wahl eines bestimmten Mediums so selbstverständlich, dass sie uns gar nicht auffällt. Manchmal tritt die Materialität von Sprache allerdings mehr in den Vordergrund, nämlich genau dann, wenn es zu einem Konflikt kommt oder wenn wir ein Medium im Laufe des Lebens neu bewerten. Mit diesem Projekt wird eine bisher wenig beachtete Dimension des sprachlichen Repertoires untersucht, nämlich wie sich diese Materialität auf das Erleben von Sprache auswirkt. Aus Sicht der Sprecher*innen wird erforscht, wie Geschichte als Zeitgeschichte und Mediengeschichte im konkreten Erleben von Menschen Ausdruck findet. Dazu werden sprach- und medienbiografische Interviews mit Forschungspartner*innen geführt werden. Medienartefakte, also Gegenstände, die als Medien verwendet werden und wurden, sollen dabei helfen, Erzählungen zu generieren.

Vor dem Hintergrund sich wandelnder Kommunikationstechnologien stellt sich die Frage, wie bestehende und neue Medien im Laufe einer Biografie genutzt und bewertet werden. Alltagsgegenstände der Kommunikation und Information können zu Objekten werden, die uns an vergangene Zeiten und möglicherweise auch an andere Orte erinnern: ein serbokroatisches Märchenbuch, Briefe aus der Kindheit, eine jugoslawische Fernsehserie oder ein Klassenfoto aus der Zeit vor der Flucht. Biografien von Menschen, die im Laufe ihres Lebens vor Krieg fliehen mussten und in einem anderen Land Schutz suchten, werfen besonders die Bedeutung von Mehrsprachigkeit auf: welche Rolle spielten Medien, um sich in einer neuen sprachlichen Umgebung zurecht zu finden, Kontakte aufrecht zu erhalten und herzustellen oder ein Gefühl von Kontinuität und Zugehörigkeit zu entwickeln? Im Zentrum des Interesses steht jene Generation, die als Kinder oder Jugendliche vor dem Krieg in Jugoslawien in den 1990er Jahren flohen. Ihnen wurde ein Übermaß an Bekenntnis zu nationalen und sprachlichen Zugehörigkeiten abverlangt, sowohl von Seiten des Aufnahmelandes als auch der neu entstandenen Nationalstaaten auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawien. Mit diesem Projekt wurden Sprach- und Medienbiografien in Hinblick darauf untersucht, welche Handlungsspielräume durch Medien eröffnet oder eingeschränkt werden. Zu diesem Zweck wurden lebensgeschichtliche Interviews mit Vertreter*innen dieser Zielgruppe geführt, wobei die Interviewpartner*innen eigene Relevanzen zu Themen und Abschnitten ihrer Biografie setzten. Auch Artefakte, die zur Kommunikation dienten, waren Bestandteil der Interviews. Die Ergebnisse sind um folgende drei Themenfelder gruppiert: erstens die Rolle von Medien für das Spracherleben, zweitens der Wandel von Sprachideologien im ehemaligen Jugoslawien und drittens biografische Objekte im Wandel der Zeit. Das erste Ergebnis bezieht sich auf die Rolle von Medien in Bezug auf das Spracherleben. In dieser Hinsicht zeigte sich, dass Medienpraktiken wichtig für die sprachliche Sozialisation in Österreich waren. Besonders Medien, in denen der spielerische Umgang mit Sprache gemeinsam mit Freund*innen gepflegt wurde, sind entscheidend für die Vergemeinschaftung. Das wurde rückblickend von den Interviewpartner*innen als ein Gegengewicht zu anderen, fordernden oder eher als Zwang empfundenen Kontexten gesehen (wie Schulfächer oder Behörden). Die zweite Gruppe von Ergebnissen betrifft Sprachideologien in den neuen Nachfolgestaaten Jugoslawiens. Jeder dieser Nachfolgestaaten führte eine neue Standardsprache ein, wobei das Bestreben beispielsweise beim Kroatischen Standard eine möglichst große Differenz zum Serbischen war. Meine Interviewpartner*innen erlebten, dass Redeweisen, die früher als dialektale Varianten des (Serbo-)Kroatischen wahrgenommen wurden, ab dem Zeitpunkt der Teilung der Sprachen als inkorrekt oder sogar feindlich betrachtet wurden. Der dritte Ergebnisbereich umfasst die Objekte, die bei der Forschung zutage traten. Sie waren einerseits ein Medium, durch das bestimmte Aspekte der Biografie zur Sprache gebracht werden konnten. Andererseits stellte sich im Rückblick heraus, dass diese Objekte in den jeweiligen Lebensabschnitten der Interviewpartner*innen ihre kommunikative Funktion stetig änderten.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%

Research Output

  • 1 Zitationen
  • 7 Publikationen
  • 2 Policies
  • 3 Disseminationen
Publikationen
  • 2022
    Titel Media biographies in the context of forced migration: Mediality and the lived experience of language.
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Julia Sonnleitner
    Konferenz International Conference on Sociolinguistics (ICS 3), Charles University Prague
  • 2022
    Titel The archive as potential. Investigating biographical objects in the context of forced displacement.
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Julia Sonnleitner
    Konferenz EASA Conference (European Association of Social Anthropologists) 2022, Queen's University Belfast
  • 2022
    Titel Which border? Experiencing liminality in the linguistic repertoire.
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Julia Sonnleitner
    Konferenz Sociolinguistic Sympoisum 24, Ghent University
  • 2024
    Titel Memory and materiality: The becoming of biographic objects after war and forced displacement
    DOI 10.1177/13591835241275867
    Typ Journal Article
    Autor Sonnleitner J
    Journal Journal of Material Culture
    Seiten 361-376
    Link Publikation
  • 2023
    Titel Lose, Remain, Regain: Biographic Objects and Forced Migration
    DOI 10.1080/17406315.2024.2335447
    Typ Journal Article
    Autor Sonnleitner J
    Journal Home Cultures
    Seiten 197-210
    Link Publikation
  • 2021
    Titel Media and the heteroglossic repertoire: exploring mediality and agency from a biographical perspective.
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Julia Sonnleitner
    Konferenz #YouthMediaLife Conference 2021, University of Vienna
  • 2021
    Titel Medienbiografien.
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Julia Sonnleitner
    Konferenz Österreichische Linguistiktagung, University of Vienna
Policies
  • 2022
    Titel Workshop for teachers
    Typ Influenced training of practitioners or researchers
  • 2022
    Titel Workshop for youth workers
    Typ Influenced training of practitioners or researchers
Disseminationen
  • 2022
    Titel Workshop on media biographies
    Typ Participation in an activity, workshop or similar
  • 2023 Link
    Titel Interview for national news (Radio Radieschen)
    Typ A press release, press conference or response to a media enquiry/interview
    Link Link
  • 2022
    Titel Workshop for youth workers
    Typ Participation in an activity, workshop or similar

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